Berlin bekommt Deutschlands größte Dachfarm auf Supermarkt
Rewe eröffnet in Lankwitz einen Markt mit hydroponischer Salatproduktion auf dem Dach – ein Modell für urbane Landwirtschaft.

Hintergrund
Urbane Landwirtschaft gilt als vielversprechender Ansatz, um die wachsende Nachfrage nach frischen Lebensmitteln in Städten zu decken und gleichzeitig Transportwege zu verkürzen. Bisher scheiterten viele Projekte jedoch an hohen Kosten und begrenzter Fläche. Das Berliner Unternehmen ECF Farmsystems hat sich seit Jahren auf diese Nische spezialisiert – mit Aquaponik-Anlagen, die Fischzucht und Gemüseanbau kombinieren. In einer alten Malzfabrik in Tempelhof-Schöneberg wächst bereits Basilikum, gedüngt mit Fischausscheidungen, bei 95 Prozent Wassereinsparung.
Rewe selbst hat bereits 2009 mit den sogenannten Green Buildings begonnen – energieeffizienten Supermärkten, von denen inzwischen mehr als 350 in Deutschland stehen. Der 2021 eröffnete Markt in Wiesbaden-Erbenheim diente als Prototyp für eine neue Generation kreislauffähiger Gebäude aus modularen Holzelementen, entwickelt mit dem Londoner Architekturbüro ACME.
Was ist passiert
Am Donnerstag eröffnete in Berlin-Lankwitz der erste Supermarkt mit Dachfarm der Hauptstadt. Auf dem Dach des hölzernen Marktes wachsen künftig bis zu 900.000 Salatpflanzen jährlich – Kopfsalat, Römersalat, Lollo Rosso und Easy-Leaf-Salat. Die Pflanzen gedeihen in hydroponischen Trays, die mehrmals täglich mit Nährlösung geflutet werden, ganz ohne Erde. Ein Teil der Ernte wandert direkt eine Etage tiefer ins Gemüseregal, der Rest wird an rund 500 Rewe-Märkte in der Hauptstadtregion geliefert.
Das Gebäude selbst ist eine Holzkonstruktion mit 72 hölzernen Säulen aus gestapelten Balken, die allein rund 930 Tonnen CO2-Äquivalente speichern. Wärmepumpen, Regenwassernutzung und Solarmodule auf dem Dach senken den Energieverbrauch um etwa 50 Prozent im Vergleich zu konventionellen Märkten. Der Markt ist damit nicht nur ein Lebensmittelgeschäft, sondern ein Versuchslabor für die Frage, wie urbane Landwirtschaft und klimafreundlicher Einzelhandel zusammengedacht werden können.
Warum das wichtig ist
Das Projekt adressiert gleich mehrere strukturelle Probleme der Lebensmittelversorgung: lange Transportwege, knappe Flächen in Städten und hohen Ressourcenverbrauch. Der Salat aus Lankwitz ist zwei bis drei Tage frischer als herkömmliche Ware, die per Lkw aus Italien kommt. Die hydroponische Anlage spart zudem 95 Prozent Wasser im Vergleich zum konventionellen Anbau. Wenn das Konzept in Serie geht – wie von Rewe geplant – könnte es einen messbaren Beitrag zur Reduktion von CO2-Emissionen und zur regionalen Versorgungssicherheit leisten.
Allerdings bleibt der tatsächliche Effekt solcher Projekte abzuwarten. Der technische und wirtschaftliche Aufwand ist hoch, und die Skalierbarkeit muss sich erst in der Praxis beweisen. Dennoch zeigt der Markt, dass urbane Landwirtschaft nicht nur Nische bleibt, sondern in den Mainstream des Einzelhandels integriert werden kann.
Ausblick
Von Berlin-Lankwitz aus soll der neue Bautyp mit variabler Dachnutzung in Serie gehen. Rewe hat bereits angekündigt, das Konzept deutschlandweit auszurollen. Die Kombination aus Holzbau, Energieeffizienz und Dachfarm könnte zum Standard für zukünftige Supermärkte werden. Ob Dachfarmen tatsächlich ein Modell für die Zukunft sind, wird sich in den kommenden Jahren zeigen – die Probleme, auf die sie eine Antwort geben sollen, sind allerdings schon heute Realität.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor, dein Salat wächst direkt über dem Supermarkt – und spart 95% Wasser! Das gibt's jetzt echt in Berlin."
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