Berliner Schulbau schließt erstmals die Lücke
Rechnerisches Defizit sinkt auf 24.100 Plätze – 53.000 neue Plätze seit 2016

Berlin hat ein Problem, das viele wachsende Städte kennen: Die Zahl der Kinder steigt schneller, als neue Schulen gebaut werden können. Seit Jahren fehlten rechnerisch zehntausende Schulplätze – ein Dauerärgernis für Eltern, Lehrkräfte und die Politik. Nun meldet der Senat erstmals eine Trendwende: Das rechnerische Defizit ist von 26.100 auf 24.100 Plätze gesunken. Das klingt nach einem kleinen Schritt, ist aber eine Zäsur, wie Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) betont: „Das erste Mal können wir darlegen, dass wir das rechnerische Defizit an Schulplätzen deutlich abbauen.“
Der Grund für den Erfolg liegt in der sogenannten Schulbauoffensive, die 2016/17 startete. Seither wurden 32 Neu- und Ersatzneubauten fertiggestellt, 123 bauliche Erweiterungen realisiert und 61 Sporthallen gebaut. Insgesamt entstanden so rund 53.000 zusätzliche Schulplätze – bis zum Schuljahr 2025/26 sollen es sogar 62.000 sein. Gleichzeitig investiert Berlin jährlich rund 1,5 Milliarden Euro in Bildungs- und soziale Infrastruktur. Allein für den baulichen Unterhalt der Schulen flossen zwischen 2017 und 2025 rund 1,544 Milliarden Euro.
Dass das Defizit trotz anhaltenden Zuzugs und der Aufnahme geflüchteter Familien sinkt, zeigt, dass die Bauoffensive allmählich Wirkung entfaltet. „Wir brauchen natürlich jedes Jahr Tausende von Schulplätzen“, sagte Günther-Wünsch. Viele neu geschaffene Plätze seien praktisch unmittelbar wieder belegt. Dennoch: Erstmals wächst der Bedarf nicht schneller als gebaut wird. Die Senatorin bezeichnet den Schulbau als „das größte Infrastrukturprojekt“ des Landes Berlin.
Doch von Entwarnung kann keine Rede sein. Die Schülerzahlen steigen weiter, ein Plateau sei nicht absehbar. Selbst wenn das rechnerische Defizit irgendwann ausgeglichen sein sollte, müsse Berlin weiter investieren – allein, um die bestehende Infrastruktur zu erhalten. Zusätzlich sollen 2026 und 2027 weitere 60 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität bereitstehen, um Sanierungsmaßnahmen zu beschleunigen.
Um schneller zu bauen, setzt Berlin zunehmend auf flexible Bautypen und modulare Konzepte. Statt starre Schulformen zu planen, können Gebäude je nach Bedarf als Grundschule oder weiterführende Schule genutzt werden. Standardisierte Typenbauten sollen die Bauzeiten verkürzen. Günther-Wünsch spricht sich zudem für eine zentrale Schulbaubehörde nach Hamburger Vorbild aus, bei der Planung, Bau und Instandhaltung in einer Hand liegen. Das könnte Verfahren beschleunigen und Ressourcen bündeln – ein Modell, das auch andere wachsende Städte interessieren dürfte.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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