Erster lebender Weißer Abalone seit 5 Jahren entdeckt
Ein lebendes Exemplar der vom Aussterben bedrohten Meeresschnecke wurde vor Kalifornien gesichtet – Hoffnung für die Art.

Der Weiße Abalone ist eine Meeresschnecke, die in den Kelpwäldern vor der kalifornischen Küste lebt – und vom Aussterben bedroht ist. Seit den 1970er Jahren sind die Bestände um 99 Prozent eingebrochen, vor allem durch Überfischung und die Zerstörung ihres Lebensraums durch Seeigelplagen. Fünf Jahre lang galt die Art in freier Wildbahn als verschollen. Am 12. Mai 2026 aber entdeckte ein Forschungsteam an Bord des NOAA-Forschungsschiffs Shearwater vor den Kanalinseln ein lebendes Exemplar.
Die Wissenschaftlerinnen Julie Bursek und Jaimee Butler waren im Rahmen der Kampagne „Wanted Alive! White Abalone“ unterwegs, die auch Bürgerwissenschaftler und Freizeittaucher einbezieht. Sie untersuchten Gebiete nahe der Inseln Santa Rosa und Santa Cruz, sammelten Umwelt-DNA (eDNA) – also genetisches Material, das die Tiere ins Wasser abgeben – und kartierten den Meeresboden. An der Südwestseite von Santa Cruz Island, in einem staatlichen Meeresschutzgebiet, entdeckten sie schließlich die Schnecke, filmten sie und maßen ihr Gehäuse. Die NOAA-Experten bestätigten später anhand des Videos, dass es sich tatsächlich um einen Weißen Abalone handelt.
Der Fund ist ein kleiner, aber wichtiger Hoffnungsschimmer. Denn die Tiere leben so verstreut, dass sie sich kaum noch fortpflanzen können – sie brauchen Partner in Reichweite, um Eier und Spermien ins Wasser abzugeben. „Es war wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen“, sagte Julie Bursek, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Channel-Islands-Nationalparks zuständig ist. Die Entdeckung zeigt, dass die Art in freier Wildbahn noch existiert und dass Schutzgebiete wirken. Nun wollen die Forscher das Tier wiederfinden, weitere Lebensräume kartieren und die eDNA-Proben auswerten. Jeder einzelne Fund hilft, die letzten Rückzugsorte dieser seltenen Schnecke zu verstehen – und vielleicht eines Tages die Art zu retten.
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