Chinas Sonde erreicht Asteroiden – Proben sollen Herkunft klären
Tianwen-2 trifft auf Kamoʻoalewa, einen erdnahen Asteroiden, und soll Gesteinsproben zur Erde bringen.

Ein kleiner, rätselhafter Himmelskörper schwebt in der Nähe der Erde – und jetzt ist eine chinesische Raumsonde bei ihm angekommen. Tianwen-2, Chinas zweite Mission in den tiefen Weltraum, hat Anfang Juni 2026 den Asteroiden Kamoʻoalewa erreicht. Das bestätigen Beobachtungen von Funkamateuren mit Radioteleskopen in Deutschland und den Niederlanden. Die chinesische Raumfahrtbehörde selbst hat den Meilenstein noch nicht offiziell verkündet, aber die Signale der Sonde zeigen: Sie ist am Ziel.
Kamoʻoalewa ist ein etwa 40 bis 100 Meter großer Felsbrocken, der sich alle 28 Minuten einmal um sich selbst dreht. Er gehört zu den sogenannten Quasi-Monden der Erde – Himmelskörpern, die die Sonne auf einer ähnlichen Bahn wie unser Planet umkreisen, aber nicht fest an ihn gebunden sind. Bislang weiß man wenig über ihn. „Jedes neue Bild eines Asteroiden war eine Überraschung“, sagt Patrick Michel, Forschungsdirektor am französischen Nationalen Zentrum für wissenschaftliche Forschung. „Wir müssen noch alles lernen.“
Die schnelle Rotation des Asteroiden gibt erste Hinweise: Wäre er ein loser Schutthaufen, würde er dabei Trümmer verlieren. Stattdessen vermuten Forscher, dass er aus einem massiven Gesteinsbrocken oder mehreren zusammenhängenden Brocken besteht. Eine Theorie besagt, dass Kamoʻoalewa ursprünglich ein Stück der Mondrückseite war, das vor Millionen Jahren durch einen Einschlag weggeschleudert wurde. Andere Forscher halten ihn für einen Migranten aus dem Hauptasteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter.
Tianwen-2 soll diese Frage klären, indem es Proben von der Oberfläche aufsammelt und zur Erde bringt. Stimmt die Isotopenzusammensetzung mit Mondgestein überein, wäre die Mond-Theorie bestätigt. Das würde unser Verständnis von Einschlägen im Sonnensystem erheblich verbessern. „Wenn man das Sonnensystem rückwärts verfolgen will, um zu sehen, wie es sich entwickelt hat, dann müssen wir verstehen, wie die Kollisionsentwicklung ablief“, sagt Mikael Granvik von der Universität Helsinki.
Die Sonde hat gleich drei verschiedene Methoden an Bord, um Proben zu nehmen: „Touch and Go“ – ein kurzer Kontakt mit einem gasbetriebenen Kopf, der Material aufwirbelt und einsammelt. „Hover“ – ein Roboterarm greift Proben, während die Sonde schwebt. Und „Anchor and Attach“ – ein Greifmechanismus verankert sich auf der Oberfläche. Jede Methode hat ihre Risiken, besonders das Schweben, das Hartzell mit dem Versuch vergleicht, in einem Wassertank Material vom Boden zu sammeln, ohne sich abstützen zu können.
Die Mission ist nicht nur wissenschaftlich bedeutsam. Sie testet Chinas Fähigkeit zu autonomen, hochpräzisen Manövern im All – eine Voraussetzung für die geplanten Missionen zum Mond und zum Mars. Laut einem durchgesickerten Zeitplan soll die finale Annäherung am 4. Juli 2026 beginnen, wenn die Sonde bis auf 20 Kilometer an den Asteroiden herankommt. Dann wird sich zeigen, ob die Techniken halten, was sie versprechen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor: Ein Asteroid, der die Erde umkreist, aber keiner weiß genau, woher er kommt. Jetzt holt China Proben."
Magst du solche Geschichten?
Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.
Weiteres aus wissenschaft
KI-Impfstoff gegen Coronaviren besteht ersten Test am Menschen
Ein von KI entwickelter Impfstoff wirkt gegen mehrere Coronaviren gleichzeitig – und schützt sogar vor noch unbekannten Varianten.
Über 1.000 unbekannte Korallenriffe vor Australien entdeckt
Satellitenbild-Überlagerung enthüllt tausende Riffe in trüben Gewässern Nordaustraliens
KI warnt Badegäste an der Ostsee vor gefährlichen Vibrionen
Frühwarnsystem sagt Bakterien bis zu fünf Wochen im Voraus voraus – basierend auf 1.500 Wasserproben