Französische Firmen öffnen Büros für Obdachlose
Bureaux du Coeur: 400 Unternehmen in 40 Städten bieten 160.000 Übernachtungen

In Frankreich haben Unternehmen einen ungewöhnlichen Weg gefunden, Obdachlosigkeit zu bekämpfen: Sie öffnen ihre Büros nachts für Menschen ohne Wohnung. Die Initiative heißt Bureaux du Coeur – auf Deutsch etwa „Büros des Herzens“. Gegründet wurde sie 2019 von Pierre-Yves Loaëc, einem Marketing-Unternehmer aus Nantes. Er fragte sich, warum tausende Büros jede Nacht leer stehen, während tausende Menschen keinen sicheren Schlafplatz haben.
Heute machen 400 Unternehmen in 40 französischen Städten mit, außerdem in Lissabon, Barcelona und Brüssel. Bisher wurden rund 160.000 Übernachtungen ermöglicht, mehr als 1.000 Menschen fanden vorübergehend ein Dach über dem Kopf. Jede Firma nimmt immer nur einen Gast auf – in Besprechungsräumen, Pausenecken oder provisorisch umgestalteten Büros.
Die Gäste werden von Partnerorganisationen ausgewählt. Sie müssen volljährig sein, legal in Frankreich leben, keine schweren gesundheitlichen oder Suchtprobleme haben. Das klingt streng, ist aber nötig: Die Unternehmen sind keine Kliniken, sie bieten nur den Raum. Die soziale Betreuung übernehmen Profis.
Was die Initiative besonders macht: Die Gäste müssen morgens nicht gehen. Sie dürfen bleiben, Kaffee trinken, mit den Angestellten reden. „Mit ihm einen Kaffee zu trinken klingt banal – aber wer hatte in den letzten zwei Jahren schon einen Kaffee mit ihm getrunken?“, sagt ein Mitarbeiter eines beteiligten Unternehmens. Für viele Obdachlose ist das der erste normale menschliche Kontakt seit Monaten.
Die Wirkung ist enorm: 85 bis 90 Prozent der Teilnehmer verlassen das Programm in eine feste Wohnung oder Arbeit. Ehemalige Gäste berichten, dass nicht nur das Dach über dem Kopf ihr Leben veränderte, sondern das Gefühl, wieder als Mensch gesehen zu werden. „Hier verurteilt mich niemand für das, was ich durchgemacht habe“, sagt ein ehemaliger Gast. „Die Leute hier bauen mich auf. Das gibt mir Kraft, weiterzumachen.“
Für die Unternehmen ist der Aufwand gering – und der Gewinn groß. „Was wir Firmen versprechen, ist ein Gemeinschaftserlebnis“, sagt Loaëc. Oft verbinde das die Belegschaft mehr als jedes Teambuilding-Event. In Zeiten von Homeoffice und flexiblen Arbeitszeiten sei das ein unerwarteter Nebeneffekt.
Bureaux du Coeur will weiter wachsen. Das Ziel: ganz Europa. Denn die Probleme sind überall ähnlich: steigende Obdachlosigkeit und immer mehr leerstehende Büros seit der Pandemie. Eine einfache Idee, die zeigt, wie aus Leerstand Lebensraum werden kann.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor: Dein Büro steht jede Nacht leer. In Frankreich lassen Firmen dort Obdachlose schlafen – mit Kaffee und Gespräch am Morgen."
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