Deutschland gründet Zentrum für Laser-Fusionsforschung
Neue Initiative Hedi bündelt Laser- und Plasma-Expertise aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern für saubere Energie.

Im Juni 2024 wurde in Rostock ein neues Kapitel der deutschen Energieforschung aufgeschlagen: Die High Energy Density Initiative (Hedi) – ein gemeinsames Forschungszentrum für laserbasierte Trägheitsfusion – wurde offiziell gegründet. Trägheitsfusion ist eine Methode der Kernfusion, bei der extrem kurze, hochenergetische Laserpulse einen Brennstoff so stark komprimieren, dass Atomkerne verschmelzen und dabei Energie freisetzen. Anders als bei der Kernspaltung, die in heutigen Atomkraftwerken genutzt wird, entsteht bei der Fusion kein langlebiger radioaktiver Abfall. Der Brennstoff – schwere Wasserstoffisotope – ist nahezu unbegrenzt vorhanden.
Den entscheidenden Impuls für die Gründung gab ein Durchbruch im Jahr 2022: Im Lawrence Livermore National Laboratory in den USA gelang es Forschern erstmals, mit einem Laser mehr Energie aus der Fusion zu gewinnen, als sie hineinsteckten. Seither gilt die Trägheitsfusion nicht mehr als Utopie, sondern als machbare Technologie. Deutschland hat die Fusionsforschung daraufhin zu einer von sechs Schlüsseltechnologien auf seiner Hightech-Agenda erklärt.
Hedi vereint die Laser-Expertise des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) mit der plasmaphysikalischen Grundlagenforschung der Universität Rostock. Die Gründungsdirektoren sind Prof. Ronald Redmer, der seit 40 Jahren an der Rostocker Uni zu dichten Plasmen forscht, und Prof. Dominik Kraus, der zuvor am HZDR und drei Jahre am US-amerikanischen Pendant, der National Ignition Facility, gearbeitet hat. „Für mich ist das nach 40 Jahren die Erfüllung eines Traums“, sagte Redmer bei der Gründungsveranstaltung.
Das Zentrum wird nicht nur Grundlagenforschung betreiben, sondern auch mit Unternehmen zusammenarbeiten. Das Münchner Start-up „Marvel Fusion“, das das erste kommerzielle Fusionskraftwerk bauen will, ist bereits Partner. „Wir brauchen belastbare Daten, um das Verhalten von Materie unter extremen Bedingungen vorherzusagen“, erklärte Dr. Sophia Spitzer von Marvel Fusion. Hedi wird zudem Studierende aus aller Welt anziehen: Schon in zwei Wochen können Rostocker Studenten an einem Experiment in den USA teilnehmen. Bis 2030 soll ein Neubau für das Zentrum entstehen; bis dahin wird im Institut für Physik geforscht.
Die Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, Manuela Schwesig (SPD) und Michael Kretschmer (CDU), unterstützen das Projekt. „Erfolgreiche Kooperationen wie Hedi sind genau der richtige Weg, um diese vielversprechende Technologie weiter voranzubringen“, sagte Kretschmer. Die Fusionsforschung hat international hohe Priorität – auch China investiert massiv. Prof. Siegfried Glenzer von der Stanford University mahnte: „Wir müssen zusammenarbeiten, um die Technologie zuerst auf den Markt zu bringen.“
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„Stell dir vor: Ein Laser zündet eine Mini-Sonne an – und daraus wird saubere Energie. Genau dafür wurde jetzt in Rostock ein Zentrum gegründet."
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