Deutschlands größtes Schulnetzwerk gegen Rassismus
5.000 Schulen, 2,5 Mio. Schüler: Lernen, nicht wegzusehen

Über dem Eingang einer Schule in Renningen steht ein Versprechen in großen Buchstaben: 'Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage'. Was dahinter steckt, ist Deutschlands größtes Schulnetzwerk – und eines der bemerkenswertesten Bildungsprojekte des Landes. Gegründet wurde es 1995, nachdem rassistische Anschläge auf türkische Einwanderer in Deutschland gezeigt hatten, wie dringend politische Bildung in Schulen gebraucht wird. Heute sind über 5.000 Schulen mit 2,5 Millionen Schülern Teil des Netzwerks. Die Idee ist einfach: Jede Schule kann beitreten, wenn mindestens 70 Prozent der Schüler, Lehrer und Mitarbeiter sich schriftlich verpflichten, Diskriminierung zu widersprechen und Vorfälle nicht zu ignorieren. Die Mitgliedschaft ist keine Auszeichnung, sondern ein Versprechen – wie die langjährige Leiterin Sanem Kleff, selbst Lehrerin und türkische Einwanderin, sagt: 'Es gibt keine Schule ohne Rassismus. Die Plakette ist kein Impfstoff gegen Rassismus.' Die Schulen gestalten ihre Projekte selbst: In Renningen verbringen Schüler einen 'Tag des Muts' mit Workshops zu Mikroaggressionen – also alltäglichen, oft unbewussten rassistischen Äußerungen – und sexueller Gewalt. In Heidelberg gibt es eine 'Woche gegen Rassismus' mit Flashmobs und Kunstaktionen. In Berlin kochen Schüler Gerichte aus verschiedenen Kulturen. Das Netzwerk hat sich in 25 Jahren von einem Fokus auf Rassismus auf alle Formen von Diskriminierung ausgeweitet – ob aufgrund von Herkunft, Religion, Geschlecht oder Behinderung. Die Grundüberzeugung: Alle Diskriminierung beruht auf der Annahme, dass manche Menschen weniger wert seien. Dagegen hilft nach Überzeugung der Macher vor allem eines: Übung. 'Gute politische Bildung kann Schüler widerstandsfähiger gegen extremistische Ideologien machen', sagt Kleff. Das Netzwerk wächst, während rechtsextreme Vorfälle an deutschen Schulen zunehmen – was die Arbeit nach Ansicht der Verantwortlichen noch dringlicher macht.
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