Ein Drittel der Korallenriffe könnte Klimawandel überstehen
KI-Modell identifiziert 165.922 km² resilienter Riffe in 71 Ländern – Hoffnung für bedrohte Ökosysteme

Korallenriffe sind die Regenwälder der Meere: Sie beherbergen ein Viertel aller Meeresarten, schützen Küsten vor Stürmen und sichern die Ernährung von Millionen Menschen. Doch steigende Wassertemperaturen setzen ihnen zu – wenn es zu heiß wird, stoßen die Korallen ihre bunten Algen ab und bleichen aus. Viele Riffe drohen abzusterben.
Doch eine neue Studie der Naturschutzorganisation Wildlife Conservation Society und der Macquarie University in Australien zeigt: Nicht alle Riffe sind verloren. Die Forscher kombinierten über 45.000 Feldbeobachtungen aus den Jahren 1960 bis 2025 mit 42 verschiedenen Umwelt- und menschlichen Einflussfaktoren – darunter Temperatur, Hitzestress, Wirbelstürme, Fischereidruck und die Vernetzung der Riffe untereinander. Mit diesen Daten trainierten sie ein KI-Modell, um die Zukunft der Riffe bis 2050 vorherzusagen – selbst für ein Szenario mit hohen Treibhausgasemissionen.
Das Ergebnis: Von insgesamt 552.969 Quadratkilometern Riff – einer Fläche etwa so groß wie Frankreich – könnten rund 165.922 Quadratkilometer klimaresistent bleiben. Das ist etwa ein Drittel der weltweiten Riffe. Diese Gebiete liegen in 71 Ländern, mehr als die Hälfte konzentriert sich auf fünf Staaten: die Bahamas, Kuba, Australien, Indonesien und die Philippinen. Aber auch afrikanische Länder wie Kenia, Mosambik und Tansania beherbergen beachtliche Anteile widerstandsfähiger Riffe.
„Diese Studie beweist, dass es Hoffnung gibt“, sagte Joseph Maina, Professor an der Macquarie University und Mitautor der Studie, gegenüber Mongabay. Die Ergebnisse wurden am 16. Juni auf der Our Ocean Conference in Mombasa, Kenia, vorgestellt – die Studie selbst ist noch nicht von unabhängigen Fachleuten geprüft (peer-reviewed).
Die Erkenntnis ist ein Wendepunkt: Bislang galt die Korallenbleiche als nahezu unausweichliche Folge des Klimawandels. Nun zeigt sich, dass es natürliche „Rückzugsorte“ gibt – Riffe, die aufgrund ihrer Lage, Strömungen oder geringeren menschlichen Belastung widerstandsfähiger sind. Wenn diese Gebiete gezielt geschützt werden, könnten sie als Quellen für die Wiederbesiedlung anderer Riffe dienen. Der Schutz dieser resilienten Riffe könnte der Schlüssel sein, um Korallenökosysteme langfristig zu erhalten – auch wenn der Klimawandel weiter voranschreitet.
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