Musée d'Orsay zeigt Nazi-Raubkunst auf der Suche nach Erben
Ein neuer Raum im Pariser Museum präsentiert 225 Werke, deren Eigentümer noch unbekannt sind – 15 wurden bereits zurückgegeben.
Das weltberühmte Musée d'Orsay in Paris hat einen ganz besonderen Raum eröffnet – einen, den es am liebsten wieder schließen würde. Denn dort hängen 225 Kunstwerke, die während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg geraubt wurden. Aktuell sind zwölf Gemälde, darunter Werke von Renoir und Degas, sowie eine Skulptur von Rodin ausgestellt.
Die Ausstellung trägt den Titel „Wem gehören diese Werke?“ und ist Teil der Bemühungen des Museums, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ziel ist es, die rechtmäßigen Erben der Meisterwerke zu finden. Während der Besatzung wurden über 100.000 Kulturgüter geraubt. Nach dem Krieg wurden etwa 60.000 Werke in Deutschland und Österreich sichergestellt, viele davon waren leicht zurückzuverfolgen. 45.000 wurden zurückgegeben, aber 15.000 blieben ohne identifizierte Eigentümer.
Die meisten dieser 15.000 Werke wurden in den frühen 1950er Jahren von Frankreich verkauft. Nur 2.200 wurden ausgewählt und verschiedenen Museen anvertraut. Diese Museen sind heute verpflichtet, die Werke treuhänderisch für die ursprünglichen Eigentümer zu verwahren und die Herkunft zu erforschen. In den letzten 30 Jahren konnten 15 dieser Werke aus dem Musée d'Orsay an ihre rechtmäßigen Besitzer zurückgegeben werden. 225 weitere verbleiben im Museum, weil ihre Herkunft unklar ist.
Der neue Raum ermöglicht eine wechselnde Ausstellung, die einen Einblick in die laufende Forschungsarbeit gibt. Jedes Werk wird von gesicherten Fakten begleitet – wann es in Frankreich verkauft wurde, wohin es im Dritten Reich gelangte und wer es gemalt hat. Der entscheidende Punkt – wem es gehörte – ist bei allen bis auf einem Werk unbekannt. Die Ausnahme ist „Le Souper au Bal“ von Edgar Degas, das 1919 vom jüdischen Sammler Fernand Ochsé erworben wurde, der später nach Auschwitz deportiert und ermordet wurde.
Die Eröffnung dieses Raums ist ein wichtiger Schritt, um das Unrecht sichtbar zu machen und den Opfern und ihren Familien Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Wie Antony Easton, ein Brite deutscher Herkunft, dessen Familienerbe von den Nazis geraubt wurde, gegenüber CNN sagte: „Ich finde es großartig, dass die geraubten Werke ausgestellt werden und ein eigener Raum für gestohlene Kunst eingerichtet wird.“
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„Stell dir vor, dein Familienerbe hängt in einem Museum – und du weißt es nicht. Genau das versucht das Musée d'Orsay jetzt zu ändern."
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