Expertin: Hoffnung auf wirksame Therapien für ME/CFS wächst
Forschung zu Ursachen und Medikamenten gegen die chronische Erschöpfungskrankheit macht Fortschritte

ME/CFS – das steht für Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom – ist eine schwere neuroimmunologische Erkrankung, die oft nach Infektionen wie Pfeifferschem Drüsenfieber oder auch COVID-19 auftritt. Die Betroffenen leiden unter extremer Erschöpfung, die sich durch Anstrengung noch verschlimmert, sowie unter Konzentrationsstörungen, Schmerzen und Kreislaufproblemen. In Deutschland sind schätzungsweise 300.000 bis 500.000 Menschen betroffen, viele davon so schwer, dass sie bettlägerig sind.
Carmen Scheibenbogen, Professorin für Immunologie an der Berliner Charité und eine der führenden ME/CFS-Expertinnen, gibt in einem Interview mit Spektrum Wissenschaft einen optimistischen Ausblick. Sie berichtet, dass die Forschung in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht habe: Man verstehe nun besser, dass es sich um eine Autoimmunerkrankung handelt, bei der das Immunsystem körpereigene Strukturen angreift. Konkret wurden Antikörper gefunden, die gegen bestimmte Rezeptoren auf Blutgefäßen und Nervenzellen gerichtet sind.
Diese Erkenntnisse öffnen den Weg für gezielte Therapien. So laufen bereits erste klinische Studien mit Medikamenten, die das Immunsystem modulieren, etwa mit dem Wirkstoff Rituximab, der bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Auch Ansätze, die die gestörte Energieproduktion in den Zellen verbessern sollen, werden erforscht. Scheibenbogen betont: „Meine Hoffnung ist groß, dass wir bald wirksame Therapien haben.“
Gleichzeitig weist sie auf ein massives Versorgungsproblem hin: Es gibt in Deutschland nur wenige spezialisierte Ambulanzen, und viele Ärzte kennen die Krankheit nicht oder erkennen sie nicht. Das führt zu jahrelangen Leidenswegen für die Patienten. Die Expertin fordert daher den Aufbau eines flächendeckenden Versorgungsnetzes mit Schulungen für Hausärzte und Fachärzte.
Die Bedeutung dieser Entwicklung geht über ME/CFS hinaus: Die Erkenntnisse könnten auch bei anderen postinfektiösen Erkrankungen wie Long-COVID helfen, die ähnliche Symptome zeigen. Die Forschung an ME/CFS ist damit ein Schlüssel zum Verständnis chronischer Erschöpfungszustände insgesamt. Für die Betroffenen bedeutet der wissenschaftliche Fortschritt vor allem eines: dass ihre Krankheit endlich ernst genommen wird und dass es einen Weg aus dem Dunkel gibt.
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„Endlich gibt es Hoffnung für ME/CFS-Patienten – erste wirksame Therapien könnten bald kommen!"
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