Fischer in Kenia kämpfen mit Hoffnung gegen schwindende Fänge
Neue Fischerei-Komitees vor Ort sollen die Bestände nachhaltig bewirtschaften und die Lebensgrundlage sichern.

In Kenias Mida Creek, einem weitläufigen Netz aus Mangroven, Schlickflächen und Gezeitenkanälen an der Indischen Ozeanküste, ist der Fischfang seit Generationen die Lebensader der Gemeinden. Doch diese Lebensader droht zu versiegen. Alice Kazungu, eine Fischhändlerin und stellvertretende Vorsitzende der neu gegründeten Mida Beach Management Unit (BMU), erlebt den Wandel täglich. „Früher gab es hier so viele Fische“, sagt sie und zeigt auf die Bucht. „Jetzt bringen die Fischer nur noch zwei oder drei Kilo mit.“ Für Kazungu, die mit ihren Kindern vom Fischverkauf lebt, ist der Rückgang eine existenzielle Bedrohung. Wenn die Fänge ausbleiben, verkauft sie Palmwein von Kokospalmen – doch das reicht nicht. „Wenn ich nach Hause komme, fragen die Kinder nach Essen. Das macht mir Sorgen.“
Die BMUs sind das Herzstück eines neuen Ansatzes in Kenia: des Fischerei-Ko-Managements. Sie bringen alle Beteiligten an einen Tisch – Fischer, Händler, Verarbeiter –, um gemeinsam Regeln für die Nutzung der Meeresressourcen aufzustellen. Die Idee: Wer vor Ort lebt und arbeitet, kennt die Probleme am besten und hat ein eigenes Interesse an nachhaltigen Lösungen. Die BMUs legen Fangquoten fest, kontrollieren die Einhaltung von Schonzeiten und setzen sich gegen illegale Fischerei ein. Es ist ein mühsamer Prozess, aber für viele die einzige Hoffnung.
Der Druck auf die Fischbestände ist enorm. Steigende Wassertemperaturen durch den Klimawandel, Verschmutzung und vor allem Überfischung durch industrielle Fangflotten haben die Bestände in der Region dezimiert. Die lokalen Fischer mit ihren kleinen Holzbooten haben kaum eine Chance gegen die großen Trawler. Die BMUs versuchen, diese Ungleichheit zu adressieren, indem sie nachhaltige Methoden fördern und die Gemeinschaft stärken. „Wir müssen zusammenarbeiten, sonst haben wir bald gar nichts mehr“, sagt ein Fischer am Anleger.
Die Geschichte von Alice Kazungu steht stellvertretend für viele Küstengemeinden in Ostafrika. Der Erfolg der BMUs ist noch nicht garantiert – sie kämpfen gegen mächtige wirtschaftliche Interessen und die Folgen des globalen Klimawandels. Doch der Wille zur Veränderung ist da. Die Hoffnung liegt in der lokalen Organisation, im Wissen der Alten und im Mut der Jungen, neue Wege zu gehen. Vielleicht ist genau das der Schlüssel: nicht auf Hilfe von außen zu warten, sondern selbst die Hand zu reichen – von einem Fischer zum nächsten.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor, du lebst vom Fischfang, aber die Fische werden immer weniger. Genau das passiert in Kenia – und die Menschen vor Ort organisieren sich, um ihre Zukunft zu retten."
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