Frankreich verbietet unerwünschte Werbeanrufe komplett
72 Prozent der Franzosen bekamen jede Woche einen Werbeanruf, seit August sind sie ohne schriftliche Zustimmung verboten.

Ruhe am eigenen Telefon ist in Frankreich jetzt gesetzlich geschütztes Recht. Seit Anfang August dürfen Unternehmen dort niemanden mehr ungefragt anrufen, um Produkte oder Verträge zu verkaufen. Erlaubt bleiben nur Anrufe zu einem bereits bestehenden Vertrag oder mit vorheriger schriftlicher Zustimmung, dokumentiert und nachweisbar, nicht bloß angenommen.
Auch Deutschland, Österreich und Italien schränken Kaltakquise per Telefon bereits ein, Frankreich geht jetzt einen Schritt weiter: Wer anrufen will, braucht vorab eine echte Einwilligung, statt sich nur auf ein fehlendes Widerspruchsrecht zu berufen.
72 Prozent der Franzosen gaben in Umfragen an, mindestens einmal pro Woche einen unerwünschten Anruf auf dem Handy zu bekommen, 38 Prozent sogar täglich. Ein Parlamentsbericht von 2025 beschrieb das Thema als eines der wenigen, die Menschen in Frankreich über politische Lager hinweg eint. Die Verbraucherschutzorganisation Que Choisir Ensemble, die sich lange für das Gesetz eingesetzt hatte, spricht von einer kleinen Revolution für die Werbebranche.
Nicht alle sind zufrieden. Der Verband der Direktvertriebsunternehmen nennt die neue Nachweispflicht eine bürokratische Last. Am lautesten protestiert Marokko, wo ein Großteil der Callcenter-Branche vom französischen Markt lebt, ein Regierungsmitglied rechnet dort mit bis zu 50.000 gefährdeten Arbeitsplätzen. Für französische Verbraucher klingelt das eigene Telefon jetzt vor allem seltener ohne Grund.
Belegt durch
- Archiv vor September 2026, nicht nach heutigem Verfahren geprüft. Berichtet von The Optimist Daily.
- KI-generierte Illustration. Zeigt nicht den Ort der Geschichte.