Gen-Test erspart 68% der Brustkrebspatientinnen Chemo
Große Studie zeigt: Genomtest erkennt, wer wirklich Chemotherapie braucht – und wer nicht.

Jedes Jahr erkranken weltweit Hunderttausende Frauen an Brustkrebs im Frühstadium. Bislang galt die Faustregel: Wer ein hohes klinisches Risiko hat, bekommt eine Chemotherapie – unabhängig davon, ob der Tumor darauf anspricht. Die Behandlung ist nicht nur anstrengend, sondern hinterlässt oft bleibende Schäden: Herzprobleme, Nervenschäden, ein erhöhtes Infektionsrisiko und kognitive Einschränkungen, die Jahre anhalten können.
Eine neue Studie, die auf der Jahrestagung der Amerikanischen Gesellschaft für klinische Onkologie in Chicago vorgestellt wurde, stellt diese Praxis infrage. Die OPTIMA-Studie untersuchte über 4.400 Patientinnen in Großbritannien, alle mit frühem, hormonrezeptor-positivem, HER2-negativem Brustkrebs – der häufigsten Form. Bei allen war das klinische Risiko als hoch eingestuft worden. Die Forscher setzten den Genomtest Prosigna ein, der an entnommenem Tumorgewebe die Aktivität bestimmter Gene misst und daraus einen Rückfallrisiko-Score berechnet.
Das Ergebnis: Bei 68 Prozent der Patientinnen zeigte der Test ein niedriges Rückfallrisiko an. Diese Frauen erhielten nur eine Hormontherapie – und ihre Heilungschancen waren genauso gut wie die der Frauen, die zusätzlich eine Chemotherapie bekommen hatten. Der Test sortiert also zuverlässig: Wer wirklich von der Chemotherapie profitiert (rund 32 Prozent) und wer nicht. Für die große Mehrheit bedeutet das: keine Chemotherapie, keine Nebenwirkungen, aber der gleiche Behandlungserfolg.
Die OPTIMA-Studie ist die erste randomisierte Studie in dieser Größenordnung, die den Nutzen eines solchen Genomtests für eine breite Patientinnengruppe belegt. Der Test selbst ist nicht neu, aber die Datenlage war bisher dünn. Nun liegen belastbare Zahlen vor, die eine Änderung der Behandlungsleitlinien ermöglichen. In den USA allein wird Brustkrebs jährlich bei Hunderttausenden Frauen diagnostiziert – das Potenzial, unnötige Chemotherapien zu vermeiden, ist enorm.
Die Studie zeigt auch, dass der Test nicht etwa die Chemotherapie generell infrage stellt, sondern sie gezielter einsetzt. Für die 32 Prozent mit hohem Risiko bleibt sie weiterhin notwendig. Aber für zwei von drei Patientinnen, die bisher die volle Behandlung durchliefen, könnte der Test den Unterschied machen zwischen einer belastenden Therapie und einer schonenderen, ebenso wirksamen Alternative.
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