Ökologie

Gewöhnung an Forscher schützt Gorillas vor Wilderern

12-jährige Studie in Kamerun zeigt: An Menschen gewöhnte Gorillas werden seltener gewildert – ein Modell für den Artenschutz.

Teilen WhatsApp
12-jährige Studie in Kamerun zeigt: An Menschen gewöhnte Gorillas werden seltener gewildert – ein Modell für den Artenschutz.

Gorillas sind stark vom Aussterben bedroht – vor allem durch Wilderei. Jäger töten die Tiere, um ihr Fleisch zu verkaufen oder um Jungtiere zu fangen, die dann illegal als Haustiere gehandelt werden. In Kamerun haben Forscher nun einen ungewöhnlichen Weg gefunden, die Tiere zu schützen: Sie gewöhnen die Gorillas an die Anwesenheit von Menschen.

In einer 12-jährigen Studie untersuchte ein Team um den Biologen Jacob Willie von der Universität Antwerpen, wie sich die sogenannte Habituierung – also die Gewöhnung an Forscher – auf die Wilderei auswirkt. Das Ergebnis: In Gebieten, in denen Gorillas regelmäßig von Wissenschaftlern besucht wurden, ging die Wilderei deutlich zurück. Die Anwesenheit der Forscher wirkt wie eine natürliche Barriere gegen Wilderer, die das Risiko scheuen, entdeckt zu werden.

Die Studie zeigt, dass dieser Effekt nicht nur den Gorillas zugutekommt. Auch andere Tiere in denselben Wäldern profitieren von der reduzierten Wilderei. Die Forscher fanden weniger Fallen und Schlingen in den habituierten Gebieten. Das Modell könnte daher auf andere bedrohte Affenarten übertragen werden, etwa auf Schimpansen oder Bonobos.

Die Gewöhnung an Menschen birgt allerdings auch Risiken: Die Tiere verlieren ihre natürliche Scheu und könnten anfälliger für Krankheiten werden, die Menschen übertragen. Dennoch überwiegen laut den Forschern die Vorteile, solange strenge Hygieneregeln eingehalten werden. Die Studie wurde im Fachjournal Biological Conservation veröffentlicht und bietet eine praktische, kostengünstige Ergänzung zu bestehenden Schutzmaßnahmen wie Patrouillen oder Gesetzen.

Für den Artenschutz ist das ein wichtiger Schritt: Statt nur auf Verbote oder Kontrollen zu setzen, zeigt die Forschung, dass die bloße Anwesenheit von Menschen – wenn sie richtig gemacht wird – Wilderei reduzieren kann. Das könnte besonders in Regionen helfen, in denen staatliche Schutzmaßnahmen schwach sind.

Belegt durch

Primärquelle
Archiv vor September 2026, nicht nach heutigem Verfahren geprüft. Berichtet von Anthropocene Magazine.

Stand der Welt

8 von 9 Bereichen steigen seit 2005. Ökologie fällt.

Datenstand 2023 · Index 53,6 · nur zusammen mit den Bereichen lesbar

Jeden Morgen um 06:30

Eine Geschichte, ein Beleg, ein Satz zum Stand der Welt.

Kostenlos, werbefrei, jederzeit abbestellbar. Nichts Drittes.

Gestern: Neue Spritze lindert Kniearthrose-Schmerzen für ein Jahr