Ehemalige Schildkrötenjäger schützen nun die Tiere
In Cabo Verde patrouillieren Ex-Jäger die Strände – illegaler Fang sank von 1.253 auf 20 Tiere pro Jahr.

Auf den Kapverden, einer Inselgruppe vor der Küste Westafrikas, hat sich etwas Bemerkenswertes getan: Menschen, die früher Meeresschildkröten jagten, schützen sie heute. Der Auslöser war ein Gesetz aus dem Jahr 2018, das die Tötung bedrohter Schildkrötenarten unter Strafe stellte. Seither patrouillieren rund ein Dutzend ehemalige Wilderer als Ranger an den wichtigsten Niststränden des Archipels. Sie laufen jede Nacht während der Brutzeit von Juni bis Oktober kilometerweit die Küste ab – zu Fuß, mit Drohnen und Hunden.
Schildkrötenfleisch ist auf den Kapverden traditionell Teil der Ernährung. Das führte zu einem Konflikt zwischen Artenschutz und lokalen Bräuchen. Doch Aufklärungskampagnen und vor allem die neuen Arbeitsplätze helfen, diese Kluft zu überbrücken. „Ich habe Schildkrötenfleisch für den Eigenbedarf gegessen und nie realisiert, dass ich mit ihrem Schutz meinen Lebensunterhalt verdienen könnte“, sagt Roni Nelson Batista Ramos, ein Ranger und Camp-Koordinator der Turtle Foundation. „Aber jetzt bewache ich sie vor Wilderern, und es ist motivierend zu sehen, wie diese Bemühungen positive Auswirkungen auf ihren Schutz haben.“
Rund zwei Drittel der Nistaktivitäten von Unechten Karettschildkröten (auch Loggerhead-Schildkröten genannt) auf den Kapverden finden auf der östlichen Insel Boa Vista statt. Dort ist die illegale Jagd drastisch zurückgegangen. Wurden 2007 noch 1.253 weibliche Tiere illegal gefangen, waren es 2024 nur noch 20. Die Ranger überwachen etwa 31 Kilometer Küstenlinie. Die Turtle Foundation, eine internationale Naturschutzorganisation, dokumentiert die Entwicklung und unterstützt die Arbeit vor Ort.
Die Geschichte zeigt, wie ein Verbot in Kombination mit positiven Anreizen wirken kann. Statt die Jäger zu Kriminellen zu machen, wurden sie zu Beschützern. Das schafft nicht nur Akzeptanz für den Artenschutz, sondern auch eine nachhaltige Lebensgrundlage. Für die bedrohten Meeresschildkröten bedeutet das eine echte Überlebenschance – und für die Menschen vor Ort ein neues Selbstverständnis als Hüter der Natur.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Ehemalige Schildkrötenjäger patrouillieren jetzt die Strände – und die Zahl illegaler Fänge ist von über 1.200 auf 20 gesunken."
Magst du solche Geschichten?
Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.
Weiteres aus tiere
Asiatische Wildesel kehren nach 65 Jahren in die Ostmongolei zurück
Durch das Entfernen von Zäunen entlang der Transmongolischen Eisenbahn wird die Wiederbesiedlung ermöglicht.
Thunfischbestände erholen sich weltweit
Quoten und Kontrollen lassen Atlantischen Blauflossen-Thunfisch zurückkehren
KI für die Baumkronen: TropiCam-AI erfasst bedrohte Arten
Neues Modell schließt Lücke bei der Überwachung von baumbewohnenden Tieren in tropischen Wäldern