Gewohnheiten entstehen schneller als gedacht
Forscher entdecken einen Schalter im Gehirn, der Verhalten plötzlich automatisch macht – und vielleicht auch schlechte Angewohnheiten löschen kann.

Viele alltägliche Handlungen beginnen als bewusste Entscheidung – und enden als Automatismus. Ob der Griff zum Handy bei jedem Piepton oder der Snack am Abend: Irgendwann läuft das Verhalten wie von selbst. Bisher ging die Wissenschaft davon aus, dass dieser Wandel langsam und allmählich geschieht, nach vielen Wiederholungen. Eine neue Studie der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore zeigt nun: Der Umschwung passiert viel schneller – fast wie das Umlegen eines Schalters.
Die Forscher um den Neurowissenschaftler Kishore V. Kuchibhotla entwickelten eine neue Methode, um den genauen Zeitpunkt des Gewohnheitswechsels zu messen. Bisherige Studien belohnten Tiere für eine Aufgabe, machten sie dann satt und testeten später, ob sie die Handlung trotzdem noch ausführten. Das erlaubte nur grobe Zeitfenster. Das Team hingegen gab Mäusen ständig Zugang zu leicht säuerlichem Wasser, sodass sie nie durstig waren. Wenn die Mäuse auf einen bestimmten Ton reagierten, bekamen sie stattdessen ihr Lieblingswasser. Weil sie nicht durstig waren, reagierten sie mal, mal nicht – sie handelten zielgerichtet. Doch dann, von einem Versuch zum nächsten, wechselten sie plötzlich: Sie reagierten immer, auch wenn sie das Wasser gar nicht wollten. Die Gewohnheit war da – von einer Sekunde auf die andere.
„Was uns am meisten überrascht hat: An unseren Bedingungen hatte sich nichts geändert. Die Tiere wechselten einfach ihre Strategie von einem Durchgang zum nächsten. Solch eine schnelle Verhaltensänderung zu beobachten, ist selten“, sagt Hauptautorin Sharlen Moore. Die Forscher zeichneten gleichzeitig die Gehirnaktivität der Mäuse auf und identifizierten eine Region, die diesen Schalter enthalten könnte. „Die Tatsache, dass es so plötzlich passiert, deutet darauf hin, dass etwas diesen Übergang kontrolliert“, so Kuchibhotla.
Die Entdeckung könnte weitreichende Folgen haben. Denn nicht alle Gewohnheiten sind hilfreich. Während Routinen wie Zähneputzen den Alltag erleichtern, können schlechte Angewohnheiten wie Rauchen oder übermäßiges Essen zur Belastung werden. Bisher galt: Einmal verfestigt, sind sie kaum wieder loszuwerden. Die neue Studie deutet jedoch an, dass es einen zentralen Kontrollmechanismus gibt – und dass man ihn möglicherweise umkehren kann. „Statt zu denken, dass Gewohnheiten für immer da sind, ist es möglich, dass schlechte Angewohnheiten nicht für immer bleiben müssen“, sagt Kuchibhotla. Die US-Gesundheitsbehörde NIH hat bereits ein neues Forschungsstipendium bewilligt, um diesen möglichen Schalter genauer zu untersuchen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor: Dein Gehirn schaltet Gewohnheiten nicht langsam ein, sondern mit einem Schalter. Und den kann man vielleicht auch wieder umlegen."
Magst du solche Geschichten?
Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.
Weiteres aus wissenschaft
KI-Impfstoff gegen Coronaviren besteht ersten Test am Menschen
Ein von KI entwickelter Impfstoff wirkt gegen mehrere Coronaviren gleichzeitig – und schützt sogar vor noch unbekannten Varianten.
Über 1.000 unbekannte Korallenriffe vor Australien entdeckt
Satellitenbild-Überlagerung enthüllt tausende Riffe in trüben Gewässern Nordaustraliens
KI warnt Badegäste an der Ostsee vor gefährlichen Vibrionen
Frühwarnsystem sagt Bakterien bis zu fünf Wochen im Voraus voraus – basierend auf 1.500 Wasserproben