Gig-Arbeiter bekommen erstmals internationale Rechte
ILO-Abstimmung: 406 Länder stimmen für Mindestlohn, Sicherheit und Algorithmus-Transparenz für App-Beschäftigte

Sie liefern unser Essen, fahren uns durch die Stadt, putzen unsere Wohnungen – und haben kaum Rechte. Gig-Worker, also Menschen, die über Plattformen wie Uber, Lieferando oder TaskRabbit arbeiten, gelten oft als Selbstständige und fallen so durch alle sozialen Sicherungsnetze. Ihr Lohn wird von Algorithmen bestimmt, die niemand durchschaut, und gekündigt werden können sie per Knopfdruck. Eine Studie von Human Rights Watch aus dem Jahr 2025 zeigte: US-Plattformarbeiter verdienten nach Abzügen im Median 5,12 Dollar pro Stunde – rund 30 Prozent unter dem bundesweiten Mindestlohn.
Doch jetzt gibt es einen historischen Wendepunkt. Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), eine Sonderorganisation der Vereinten Nationen, hat erstmals verbindliche Mindeststandards für Gig-Worker beschlossen. 406 Regierungen stimmten für die neue Konvention, die unter anderem Mindestlöhne, Arbeitssicherheit und vor allem Transparenz über die algorithmische Steuerung von Bezahlung und Kündigungen vorsieht. Nur acht Länder stimmten dagegen – darunter die USA. Die Weltbank schätzt, dass zwischen 154 Millionen und 435 Millionen Menschen weltweit über Apps arbeiten, Tendenz stark steigend.
Die neue Konvention ist ein erster, aber entscheidender Schritt. Die ILO selbst kann die Regeln nicht durchsetzen – jedes Land muss sie in nationales Recht übersetzen und auch kontrollieren. Doch das Votum setzt ein klares Signal: Die Ära der unregulierten Plattformarbeit soll enden. Für die vielen Menschen, die täglich auf diese Jobs angewiesen sind, bedeutet das zumindest die Chance auf faire Bedingungen. Und für alle, die ihre Dienste nutzen, eine Erinnerung daran, dass hinter jeder Bestellung ein Mensch steht, der ein Recht auf Würde hat.
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„Stell dir vor, dein Chef wäre ein Algorithmus, den niemand versteht. Genau das ändert sich jetzt für Millionen Gig-Worker."
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