Grenoble tauscht Werbetafeln gegen Bäume
Als erste Stadt Europas verbannte Grenoble Werbung aus dem öffentlichen Raum – hunderte Tafeln wichen Bäumen, Radwegen und freiem Blick auf die Alpen.
Auf dem Cours Lafontaine mitten im historischen Zentrum von Grenoble stand früher ein wuchtiger Betonblock mit einer Werbesäule. Heute führt hier ein breiter Radweg entlang, gesäumt von Bäumen – und am Horizont geben sie den Blick auf die Alpen frei. „Es war nicht so schön“, erinnert sich der stellvertretende Bürgermeister Gilles Namur.
Grenoble hat einen ungewöhnlichen Kampf geführt: gegen das, was Fachleute „visuelle Umweltverschmutzung“ nennen. Gemeint ist die Flut an Werbung und hässlichen Bauten im öffentlichen Raum. Anders als Lärm oder Abgase ist sie weniger bekannt, doch sie hat Folgen: Eine Auswertung von 52 Studien kam zu dem Schluss, dass sie Konzentration mindern und negative Gefühle wie Angst, Unsicherheit und Antriebslosigkeit auslösen kann.
Der Wandel begann 2014. Der damals neu gewählte Bürgermeister Éric Piolle kündigte an, den auslaufenden Vertrag mit einem großen Werbekonzern nicht zu verlängern. Ein Jahr später baute die Stadt 326 Werbeeinrichtungen ab – Säulen, große Tafeln, sogenannte „Lollipops“ –, die zusammen über 2.000 Quadratmeter bedeckt hatten. Viele wurden durch Bäume ersetzt. Grenoble war damit die erste Stadt Europas, die Werbung im öffentlichen Raum verbot.
In den Folgejahren weitete die Stadt die Regeln aus, etwa mit Verboten nahe Schulen, auf Dächern und in historischen Vierteln. Heute ist Werbung in allen öffentlichen Räumen und in 90 Prozent des restlichen Stadtgebiets untersagt.
Bemerkenswert ist die breite Zustimmung. Auch nach zwei Wahlperioden hat niemand versucht, die Tafeln zurückzuholen. „Es ist kein Thema mehr“, sagt Namur. Und Grenoble steht nicht mehr allein: Lyon hat digitale Werbetafeln aus dem öffentlichen Raum verbannt, Montpellier den Abstand zu Schulen erhöht, selbst Paris will die Außenwerbung deutlich reduzieren. Aus einer Einzelentscheidung ist ein Vorbild geworden, das Anfragen aus ganz Europa nach sich zieht.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Grenoble hat als erste Stadt Europas die Werbung aus dem öffentlichen Raum verbannt. Wo früher hunderte Plakattafeln standen, wachsen jetzt Bäume."
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