Hongkongs Kakadus retten indonesische Art
200 verwilderte Gelbhaubenkakadus in Hongkong tragen Erbgut von ausgestorbenen Populationen in sich.
Der Gelbhaubenkakadu (Cacatua sulphurea) ist ein kritisch gefährdeter Vogel. In seinem natürlichen Lebensraum in Indonesien und Timor-Leste gibt es weniger als 2.000 Exemplare – die Art ist durch Lebensraumverlust und den illegalen Haustierhandel stark dezimiert. Doch in einer unerwarteten Umgebung hat sich eine stabile Population entwickelt: im dichten Großstadtdschungel von Hongkong. Dort leben rund 200 dieser Kakadus, die von entflogenen oder ausgesetzten Haustieren abstammen. Das entspricht etwa zehn Prozent des weltweiten Bestands.
Ein Forschungsteam der Universität Hongkong hat nun das Erbgut dieser städtischen Vögel analysiert. Die Ergebnisse überraschten: Trotz der geringen Zahl und der isolierten Umgebung weisen die Kakadus eine unerwartet hohe genetische Vielfalt auf – vergleichbar mit wildlebenden Papageienpopulationen. Noch bemerkenswerter ist, dass die Hongkonger Vögel ein genetischer Schmelztiegel sind: Sie tragen Erbgut aller vier bekannten Unterarten des Gelbhaubenkakadus in sich. Mehr als die Hälfte der untersuchten Vögel gehört zu einer Linie, die ursprünglich von der indonesischen Insel Lombok stammt – wo die Art heute als lokal ausgestorben gilt.
„Statt städtische, eingeführte Populationen als ökologisch überflüssig abzutun, sollten wir sie als potenzielle ‚Arche Noah‘ betrachten, die aktiv helfen kann, das Aussterben zu verhindern“, sagt Studienleiterin Astrid Andersson. Die Forscher verglichen die DNA der Hongkonger Kakadus mit Museumsexemplaren aus der Zeit vor dem massiven Rückgang der Art. Dabei zeigte sich, dass die Stadtvögel genetische Linien bewahrt haben, die in ihrer ursprünglichen Heimat verschwunden sind.
Diese Entdeckung könnte weitreichende Folgen für den Artenschutz haben. Bislang galten verwilderte Haustierpopulationen oft als problematisch, weil sie mit heimischen Arten konkurrieren oder Krankheiten einschleppen können. Die Studie zeigt jedoch, dass solche Populationen auch eine wertvolle genetische Ressource darstellen können – besonders für Arten, deren natürliche Bestände zusammengebrochen sind. Für den Gelbhaubenkakadu könnte das bedeuten, dass die Hongkonger Vögel als Quelle für Wiederansiedlungsprogramme dienen, um die genetische Vielfalt in Indonesien wiederherzustellen.
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- Archiv vor September 2026, nicht nach heutigem Verfahren geprüft. Berichtet von Mongabay.