Indische Jugendliche helfen sich gegenseitig ins Erwachsenenleben
Careleavers Inner Circle (CLiC) unterstützt über 3.200 Jugendliche aus Heimen mit Jobs, Beratung und Gemeinschaft.

In Indien werden jedes Jahr rund 30.000 Jugendliche aus Kinderheimen entlassen – und stehen dann oft völlig allein da. Denn obwohl das nationale Jugendgesetz eine Nachbetreuung bis zum 21. Lebensjahr vorsieht, erhalten die meisten keine Unterstützung. Girish Mehta und Anisha Sharma haben das selbst erlebt: Mehta musste mit 18 innerhalb eines Monats sein Heim in Jaipur verlassen, Sharma stand plötzlich ohne Familie und Orientierung da. Also gründeten sie Careleavers Inner Circle (CLiC) – eine Organisation von Betroffenen für Betroffene, unterstützt von UNICEF.
CLiC hat eine Plattform aufgebaut, auf der sich ehemalige Heimkinder registrieren können. Über 3.200 Mitglieder sind bereits dabei, 14 feste Mitarbeiter und Dutzende Freiwillige arbeiten in vier indischen Bundesstaaten. Neue Mitglieder erhalten ein Care-Kit mit Smartphone, Hygieneartikeln und Kleidung. Vor allem aber bekommen sie Zugang zu Jobangeboten, Kursen zur beruflichen Weiterbildung, kostenloser psychologischer Beratung und einer Gemeinschaft, die sie auffängt.
Eine Studie aus dem Jahr 2019 zeigte, dass 44 Prozent der befragten Care Leaver kein Mitspracherecht bei ihrer eigenen Betreuungsplanung hatten. Viele Heime sind unterbesetzt und klamm, sodass eine frühzeitige Vorbereitung auf das Erwachsenenleben oft ausbleibt. CLiC schließt diese Lücke: Die Organisation hat bereits mit über 1.450 Jugendlichen konkrete Übergangspläne erstellt. Ein Junge in Kalkutta etwa war schockiert, als er erfuhr, dass er mit 18 obdachlos sein würde – CLiC half ihm, sich mental und praktisch vorzubereiten.
Die Organisation vermittelt auch Jobs: Mit der Fast-Food-Kette Haldiram's gibt es eine Kooperation, die dreimonatige Trainings und anschließende Anstellung bietet. Insgesamt haben 410 Care Leaver durch CLiC berufliche Fähigkeiten erworben, 320 haben Arbeit gefunden. Hinzu kommt die Hilfe bei der Beschaffung von Ausweispapieren – ein riesiges Problem, denn ohne festen Wohnsitz ist etwa die Beantragung der staatlichen Aadhar-ID kaum möglich. CLiC hat über 600 Mitgliedern zu ihren Dokumenten verholfen.
Doch das Wichtigste ist die emotionale Unterstützung. Viele Care Leaver sind traumatisiert und misstrauen Behörden. „Sie öffnen sich erst, wenn sie hören, dass wir denselben Weg gegangen sind“, sagt Mehta. Manche rufen erst spät in der Nacht an, um von Herz zu Herz zu reden. Geschulte Peer-Berater sind per Telefon oder Chat erreichbar. Die 29-jährige Mausumi Das, die selbst in einem Heim in Assam aufwuchs, sagt: „Als ich 2021 andere Care Leaver traf, fühlte es sich an wie nach Hause kommen.“
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Ehemalige Heimkinder helfen anderen: 320 haben schon einen Job gefunden – und das ohne staatliche Hilfe!"
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