James Joyce auf isiZulu: Übersetzung öffnet Weltliteratur
Sandile Ngidi übersetzte Molly Blooms Monolog aus 'Ulysses' ins isiZulu – ein Zeichen für die Kraft afrikanischer Sprachen in der Weltliteratur.
Jedes Jahr am 16. Juni feiern Leser weltweit den Bloomsday – den Tag, an dem James Joyce' Jahrhundertroman 'Ulysses' spielt. 2026 bekam das Fest in Johannesburg eine besondere Note: Der südafrikanische Schriftsteller und Übersetzer Sandile Ngidi trug seine isiZulu-Übersetzung von Molly Blooms berühmtem Monolog vor, dem Schlusskapitel des Romans. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Buchhandlung Bridge Books in der Innenstadt Johannesburgs – ausgerechnet in einem Viertel, in dem zuvor fremdenfeindliche Gruppen marschiert waren. Die Botschaft: Die bürgerliche Vorstellungskraft, die Joyce' Werk durchzieht, ist überall dort relevant, wo verschiedene Gemeinschaften durch Geschichten und Gespräche Raum beanspruchen.
'Ulysses' gilt als eines der schwierigsten Werke der Weltliteratur. Der Roman spielt an einem einzigen Tag in Dublin und folgt drei Figuren, deren Gedanken und Begegnungen die großen Themen des Lebens berühren: Identität, Erinnerung, Begehren und die Moderne. Seit seinem Erscheinen 1922 wurde der Roman in über 40 Sprachen übersetzt – meist europäische. Die isiZulu-Übersetzung ist daher mehr als eine sprachliche Übung. Sie fordert die Annahme heraus, dass afrikanische Sprachen nur für lokale Erfahrungen taugen. Ngidis Arbeit zeigt: Sie können die anspruchsvollsten Werke der Weltliteratur aufnehmen und mit neuen Bedeutungen füllen.
Joyce selbst, der aus dem kolonisierten Irland kam, kämpfte mit der Frage, wie sich irische Erfahrung in der Sprache der Kolonialmacht Englisch ausdrücken lässt. Seine Werke kreisen um Spannungen zwischen lokaler Identität und globalem Einfluss. Diese Fragen sind heute aktueller denn je. In Irland wie in Südafrika sorgen Migration, nationale Identität und kulturelle Inklusion für politische Spannungen. Die Übersetzung ins isiZulu erinnert daran, dass Literatur nicht im Besitz einer Elite ist. Sie lebt davon, dass Leser sie immer wieder neu erfinden – in neuen Sprachen, neuen Kontexten, neuen Gemeinschaften.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor, James Joyce auf isiZulu – genau das hat ein südafrikanischer Übersetzer gemacht. Ein starkes Zeichen für die Kraft afrikanischer Sprachen."
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