Jugendtanzkompanie öffnet Bühnen für alle
National Youth Dance Company bringt 32 Tänzer aus ganz England auf große Bühnen – ohne formale Ausbildung.

Während die Sorge wächst, dass junge Menschen sich kreative Angebote nicht mehr leisten können, geht eine nationale Tanzkompanie in England einen anderen Weg. Die National Youth Dance Company (NYDC) wird vom Londoner Tanzhaus Sadler's Wells betrieben und bringt jedes Jahr Tänzer im Alter von 16 bis 24 Jahren aus ganz England zusammen. Das Besondere: Die Auswahl erfolgt nicht nur nach formaler Ausbildung, sondern nach Talent und Hintergrund – ausdrücklich willkommen sind auch Menschen mit Behinderungen und Tänzer aus verschiedenen Stilen wie Hip-Hop oder zeitgenössischem Tanz.
Die aktuelle Gruppe besteht aus 32 Tänzern aus 25 Städten und Dörfern – von Blackpool im Nordwesten bis Brighton an der Südküste. Nach der Premiere ihres Stücks „Memory Keepers“ im Frühjahr tourt die Kompanie im Juli weiter nach Falmouth, ins Sadler's Wells East in London und nach Coventry. Das Programm kommt zu einer Zeit, in der der Zugang zu Kunst und Kultur für viele junge Menschen schwieriger geworden ist. Eine neue Studie des Londoner Kulturzentrums Roundhouse ergab, dass 87 Prozent der 18- bis 30-Jährigen glauben, weniger Chancen zu haben als frühere Generationen, um außerhalb von Schule oder Beruf kreativ zu sein, Kontakte zu knüpfen und Selbstvertrauen zu gewinnen.
Hannah Kirkpatrick, Leiterin der NYDC, betont, dass Repräsentation im Mittelpunkt steht: „Wir wollen, dass junge Menschen die Kompanie sehen und sich selbst darin wiedererkennen. Es ist die nationale Jugendtanzkompanie des Landes, daher ist es wichtig, dass junge Menschen aus allen Hintergründen, aus verschiedenen Regionen, mit verschiedenen Tanzstilen und mit und ohne Behinderungen dabei sind.“ Seit der Gründung hat die NYDC mit mehr als 12.000 jungen Menschen gearbeitet. Ein Zehn-Jahres-Bericht zeigt, dass neun von zehn Mitgliedern später eine Ausbildung oder Arbeit im Tanz oder in der darstellenden Kunst fanden. 24 Prozent der Teilnehmer kamen aus den 30 Prozent am stärksten benachteiligten Postleitzahlengebieten Englands.
Michael Omoruyi, ein 18-jähriger Tänzer aus Blackpool, erzählt: „Die NYDC hat mir geholfen, nicht nur als Kreativer, sondern als Mensch zu wachsen. Ich durfte nicht nur auf einer der renommiertesten Bühnen der Welt auftreten, sondern auch netzwerken und viele Gleichgesinnte aus dem ganzen Land kennenlernen. Die Gruppen werden zu Familien, voller Leidenschaft und Liebe für unsere Kunst und füreinander – darum geht es beim Tanz: uns zusammenzubringen, ohne Barrieren und Grenzen.“
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Eine Tanzkompanie in England holt gezielt Jugendliche ohne Ausbildung auf große Bühnen – und 90% von ihnen landen später im Job."
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