Kambodscha holt Tiger aus Indien zurück
Nach fast 20 Jahren ohne wilde Tiger plant Kambodscha die Wiederansiedlung mit Bengal-Tigern aus Indien.

Fast zwei Jahrzehnte lang galt der Tiger in Kambodscha als verschollen. Die letzte bestätigte Sichtung stammt aus dem Jahr 2007, als eine Kamerafalle ein Exemplar im dichten Dschungel aufnahm. 2016 erklärte das Land die Raubkatze offiziell für ausgestorben. Schuld waren jahrelange Wilderei, Schlingenfallen, die Zerstörung des Lebensraums und der illegale Handel mit Tigerteilen. Diese Bedrohungen sind bis heute nicht verschwunden: Erst 2023 wurde der Indochinesische Leopard, eine verwandte Großkatzenart, in Kambodscha für funktionell ausgestorben erklärt. Schlingenfallen bedrohen weiterhin viele große Säugetiere.
Doch nun gibt es einen überraschenden Plan: Kambodscha will den Tiger zurückholen. Dafür sollen Bengal-Tiger aus Indien in den Kravanh-Nationalpark im Kardamom-Gebirge gebracht werden. Indien hat seine Tigerbestände über Jahrzehnte hinweg erfolgreich wieder aufgebaut und gilt heute als Vorbild für den Schutz der Großkatzen. Kambodscha hat bereits einen Aktionsplan für die Wiederansiedlung verabschiedet und ein sogenanntes Soft-Release-Gehäuse gebaut – eine Art Übergangsgehege, in dem die Tiere sich an die neue Umgebung gewöhnen können, bevor sie endgültig freigelassen werden.
Die größten Hürden sind jedoch nicht baulicher, sondern ökologischer und politischer Natur. Tiger brauchen ausreichend Beute, um zu überleben. Eine Studie aus dem Jahr 2020 ergab, dass die Landschaft im Nationalpark wahrscheinlich nicht genug Nahrung für 25 erwachsene Tiger bietet – wohl aber für eine kleine Gründergruppe von fünf Tieren. Allerdings sind kleine Populationen anfällig für Inzucht und erfordern ein dauerhaftes Management. Wildschweine könnten die Hauptnahrungsquelle sein, doch die Experten sind sich uneinig, ob die aktuellen Daten zur Beutetierdichte ausreichen.
Sollte die Wiederansiedlung gelingen, wäre das nicht nur ein Triumph für den Artenschutz, sondern auch ein starkes Signal: Selbst nach fast zwei Jahrzehnten ohne einen einzigen wilden Tiger ist es möglich, eine ausgestorbene Art zurückzubringen. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, ob die anhaltenden Bedrohungen – Wilderei und Lebensraumverlust – wirksam bekämpft werden können. Kambodscha steht vor der Herausforderung, nicht nur Tiger auszusetzen, sondern auch die Bedingungen für ihr dauerhaftes Überleben zu schaffen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor: Ein Land, in dem es seit 20 Jahren keine wilden Tiger mehr gibt, holt sie jetzt zurück – aus Indien. Krass, oder?"
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