Klimakorridor für Schneeleoparden in Kirgisistan
Fast 800.000 Hektar verbinden Schutzgebiete – Tiere können ihren Lebensräumen folgen.

Schneeleoparden sind scheue Jäger der Hochgebirge. Sie brauchen riesige Reviere, um genug Beute zu finden – und genau das wird zum Problem. Denn der Klimawandel verändert ihre Lebensräume: Wo früher Schnee lag und Beutetiere wie Steinböcke grasten, wird es wärmer und trockener. Die Tiere müssen in höhere Lagen ausweichen, doch Straßen, Dörfer und Weideflächen versperren ihnen oft den Weg. Genau hier setzt eine neue Initiative in Kirgisistan an.
Das Land in Zentralasien hat offiziell einen riesigen Korridor für Schneeleoparden und andere Bergtiere ausgewiesen. Der sogenannte Ak-Ilbirs-Korridor umfasst fast 800.000 Hektar – das ist etwa so groß wie Korsika. Er verbindet mehrere bestehende Schutzgebiete, aber auch Weideland, Wälder und andere Ökosysteme in 14 ländlichen Gemeinden. Das Ziel: Die Tiere sollen sich frei bewegen können, wenn der Klimawandel ihre angestammten Jagdgründe unbrauchbar macht.
Das Projekt wurde von der Central Asian Mammals and Climate Adaptation (CAMCA)-Initiative vorangetrieben, die vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) geleitet wird. Beteiligt waren auch die kirgisische Regierung, die Humboldt-Universität zu Berlin sowie lokale Naturschutzgruppen wie CAMP Alatoo und die Ilbirs-Stiftung. Die Wissenschaftler der Humboldt-Universität nutzten eine Kombination aus lokalem Wissen, Klimavorhersagen und Computermodellen, um zu berechnen, wo die Schneeleoparden in Zukunft leben werden.
Das Besondere an diesem Korridor: Er funktioniert anders als ein klassischer Nationalpark. „Der ökologische Korridor in Kirgisistan basiert auf einem regulierenden Ansatz, nicht auf Verboten“, erklärten Murat Zhumashev und Salamat Zhumabaeva von CAMP Alatoo. Das bedeutet: Das Land wird nicht enteignet oder unter strenge Auflagen gestellt. Stattdessen gibt es klare Regeln, wie die Flächen genutzt werden dürfen – etwa, wo Vieh weiden darf und wo nicht. So können Menschen und Tiere nebeneinander leben.
Die Zahlen zeigen, wie dringend solche Korridore sind: Unter den prognostizierten Klimaszenarien würden mehr als 60 Prozent der geeigneten Lebensräume für Schneeleoparden verschwinden, wenn die Tiere nicht ausweichen könnten. Der neue Korridor gibt ihnen eine Überlebenschance – und könnte zum Vorbild für andere Länder werden, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor, du baust eine Autobahn für Schneeleoparden – damit sie dem Klimawandel davonlaufen können. Genau das hat Kirgisistan gemacht."
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