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KI in der Mammografie erkennt auch Herzrisiko

Ein neues KI-Modell misst Kalziumablagerungen in der Brust und sagt so Herzinfarkte voraus – ohne Extraaufwand.

Mammografien retten Leben – das ist bekannt. Sie erkennen Brustkrebs frühzeitig, oft bevor er tastbar ist. Doch die Röntgenaufnahmen der Brust enthalten noch mehr Informationen, die bisher oft ungenutzt blieben. Ein Forschungsteam der Emory University in Atlanta hat nun ein KI-Modell entwickelt, das aus Mammografie-Aufnahmen nicht nur nach Tumoren sucht, sondern auch nach Verkalkungen der Brustarterien. Diese Verkalkungen, medizinisch Brustarterienverkalkungen (BAK) genannt, erscheinen als helle, bahnschienenartige Streifen im Gewebe. Sie selbst sind harmlos, aber sie sind ein Warnsignal: Sie deuten darauf hin, dass sich auch an anderen Stellen im Körper Verkalkungen bilden – etwa in den Herzkranzgefäßen. Verengte Gefäße bedeuten eine schlechtere Durchblutung und erhöhen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Bisher mussten Radiologinnen und Radiologen diese Verkalkungen manuell erkennen und bewerten – ein aufwendiger und subjektiver Prozess. Das neue KI-Modell automatisiert diesen Schritt. Es scannt jedes Mammogramm, quantifiziert die Menge der Verkalkungen und ordnet sie einem Risikograd zu. „Das Modell kann ohne zusätzlichen Aufwand auf jedes einzelne Mammogramm angewendet werden“, sagt Studienleiter Hari Trivedi. Die Ergebnisse wurden im renommierten „European Heart Journal“ veröffentlicht. Das Team untersuchte zwei große Gruppen: über 74.000 Frauen aus Atlanta und knapp 50.000 Teilnehmerinnen der Mayo Clinic in mehreren US-Bundesstaaten. Dabei zeigte sich: Schon geringe Erhöhungen der Verkalkungen gingen mit einem leicht gestiegenen Risiko einher. Bei stark erhöhten Werten war die Wahrscheinlichkeit für Herzinfarkt oder Schlaganfall vier- bis achtmal höher als bei Frauen ohne Verkalkungen.

Der große Vorteil dieser Methode liegt in ihrer Reichweite. In den USA wird Frauen ab 40 Jahren alle zwei Jahre eine Mammografie empfohlen, in Deutschland ab 50 Jahren. Millionen Untersuchungen werden jährlich durchgeführt. „Man kommt, um nach Brustkrebs zu suchen, erhält aber auch diese Information“, sagt Mary Ann McLaughlin, Kardiologin am Mount Sinai in New York. „Es bedeutet keine zusätzliche Strahlenbelastung, keinen Zeitaufwand und keinen weiteren Termin. Es ist Teil Ihrer regulären, routinemäßigen Mammografie.“ Besonders für jüngere Frauen unter 50 Jahren könnte die Methode wertvoll sein, da ihr Herz-Kreislauf-Risiko oft unterschätzt wird. Trivedi betont: „Wenn Sie einen erhöhten BAK-Wert haben und unter 50 Jahre alt sind, besteht für Sie ein erhöhtes Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis innerhalb der nächsten 10 Jahre.“

Die Forscherinnen und Forscher arbeiten nun daran, die Methode in die klinische Praxis zu überführen. Laurie Margolies, Radiologin am Mount Sinai, untersucht gemeinsam mit Kollegen, ob Frauen nach einem solchen Hinweis tatsächlich eine kardiovaskuläre Vorsorge in Anspruch nehmen – und ob sich ihre Herzgesundheit dadurch verbessert. Sollte sich das bestätigen, könnte die Mammografie bald doppelt Leben retten: durch die Früherkennung von Brustkrebs und durch die Warnung vor Herzerkrankungen.

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