KI und Digitalisierung retten Pflanzen vor dem Aussterben
Millionen getrockneter Pflanzenproben werden digital erfasst und mit KI analysiert – das verändert den Artenschutz grundlegend.

Seit Jahrhunderten sammeln Forscher Pflanzen und Pilze, pressen und trocknen sie und bewahren sie in Herbarien auf – riesigen Sammlungen, die oft in Schränken und Regalen schlummern. Jetzt verändert die Digitalisierung diese Arbeit grundlegend. Ein neuer Bericht der Royal Botanic Gardens, Kew, in England zeigt, dass Millionen von Exemplaren eingescannt und mit Forschern weltweit geteilt werden. Das ermöglicht ein viel genaueres Bild der bedrohten Pflanzenwelt.
In Honduras etwa haben Wissenschaftler digitale Aufzeichnungen von Farnen aus dem Land und aus Übersee zusammengeführt. Dabei stellten sie fest, dass 33 Prozent der Arten, die in Schutzgebieten wachsen, in den Managementplänen gar nicht auftauchen. „Wir müssen unsere begrenzten Ressourcen in Honduras klug einsetzen“, sagt Johan David Reyes Chávez von der University College Cork in Irland. Die neuen Daten helfen, Schutzmaßnahmen gezielter zu planen.
Künstliche Intelligenz (KI) verstärkt diese Möglichkeiten noch. Eine Studie nutzte KI, um 8 Millionen digitale Proben zu analysieren und herauszufinden, wie sich die Erwärmung auf die Blütezeit von Pflanzen auswirkt. Ergebnis: Die Blüte hat sich im letzten Jahrhundert im Durchschnitt um mehr als zwei Tage pro Jahrzehnt verschoben. Solche Erkenntnisse wären ohne Digitalisierung kaum möglich.
Doch die digitale Kluft ist groß: Weltweit sind weniger als 16 Prozent der Herbarium-Exemplare digitalisiert und geteilt – und das meiste davon stammt aus reichen Ländern. Kew selbst hat gerade alle 7,4 Millionen Exemplare seiner Sammlung digitalisiert. Die unerschlossenen Sammlungen, sogenannte „stille Herbarien“, liegen vor allem in ärmeren Ländern. In Nigeria haben Forscher erst begonnen, Pflanzen- und Pilzproben zu digitalisieren – nur 7 Prozent sind bisher in globalen Datenbanken hochgeladen. Aber schon jetzt liefern diese Aufzeichnungen neue Erkenntnisse: Nigerianische Proben zeigten, dass die Heilpflanze Cnestis ferruginea in einem fünfmal größeren Gebiet wächst als bisher aus Übersee-Sammlungen bekannt.
Alexandre Antonelli, Wissenschaftsdirektor bei Kew, fordert daher, die stillen Sammlungen der Welt zu stärken. Ohne ausreichende Mittel, warnt er, „riskieren wir, viele Arten zu verlieren, die wir hätten schützen können.“
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„Stell dir vor, wir könnten Pflanzen vor dem Aussterben retten, indem wir alte getrocknete Proben digitalisieren und mit KI analysieren. Genau das passiert gerade."
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