Pariser Bäckerei verkauft altes Gebäck gegen Foodwaste
Demain rettet monatlich 50.000 Croissants und Brote vor dem Müll – zum halben Preis.

In Paris hat ein Startup eine ungewöhnliche Idee gegen Lebensmittelverschwendung: Demain – französisch für „morgen“ – sammelt täglich unverkaufte Backwaren von über 20 Partnerbäckereien ein und verkauft sie am nächsten Tag zu stark reduzierten Preisen. Ein Croissant kostet dann nur 50 Cent statt einem Euro, ein Sauerteigbrot vier statt acht Euro. So werden monatlich rund 50.000 Croissants, Baguettes und Pasteten vor dem Müll gerettet.
Das Problem ist riesig: Weltweit wird etwa ein Drittel aller produzierten Lebensmittel weggeworfen. Allein in Frankreich landen jährlich 345.000 Tonnen Backwaren im Abfall – das entspricht einem Wert von über einer Milliarde Euro. Bäckereien können ihre Überschüsse oft nicht spenden, weil die Mengen täglich schwanken und die Produkte zu empfindlich für Transport und Lagerung sind.
Demain hat dafür einen cleveren Kreislauf entwickelt: Die Bäckerei holt die Waren nachts ab, öffnet um 8 Uhr morgens und verkauft 95 Prozent der eingesammelten Produkte. Aus besonders empfindlichen Croissants werden „Smash Croissants“ – sie werden flachgedrückt und karamellisiert. Aus alten Pain au Chocolat entsteht ein riesiger „Chocobread“, und aus Brotscheiben werden Toasties mit frischen Zutaten. Was übrig bleibt, wird kompostiert oder zu Croutons und Semmelbröseln verarbeitet, die in frisches Brot eingebacken werden.
Das Konzept kommt an: Seit der Gründung 2023 hat Demain drei Filialen in Paris eröffnet und beschäftigt über zwei Dutzend Mitarbeiter. Die Kunden kommen nicht nur aus Umweltbewusstsein, sondern auch aus Geldnot – viele kauften vorher industrielle Baguettes aus dem Supermarkt, weil sie günstiger waren. Jetzt essen sie handwerklich gebackenes Brot zum halben Preis.
Demain ist Teil einer größeren Bewegung in Frankreich, die Lebensmittelverschwendung durch „Upcycling“ bekämpft – also die Wiederverwertung von Lebensmittelresten zu neuen Produkten. Professorin Béatrice Siadou Martin von der Universität Montpellier erforscht solche Initiativen und betont: „Die Botschaft muss klar sein – nicht abstrakt, sondern konkret.“ Genau das gelingt Demain: Die Kunden sehen direkt, dass ihr Einkauf etwas bewirkt.
Das Startup arbeitet inzwischen auch mit einer lokalen Charity zusammen, die Marmeladen von Obdachlosen verkauft, und bietet Kaffee einer Pariser Rösterei an, die Bohnen zweiter Wahl verwendet. Sogar die Kaffeemaschine ist gebraucht. „All das wäre im Müll gelandet“, sagt Mitgründer Martin Herbelin. „Wir müssen die Einstellung der Menschen ändern. Wenn das gelingt, kann das eine riesige Wirkung haben.“
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor: Croissants vom Vortag für 50 Cent – und du rettest sie vor der Tonne. In Paris gibt's das jetzt."
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