Kinder sind von Natur aus hilfsbereit
Studie mit 530 Kindern zeigt: Prosoziales Verhalten ist angeboren und bleibt stabil.

Schon 18 Monate alte Kinder helfen spontan: Wenn ein Baby seinen Schnuller verliert, heben sie ihn auf. Diese Beobachtung wirft eine grundlegende Frage auf: Ist Hilfsbereitschaft angeboren oder erlernt? Ein Forschungsteam um den Psychologen Francesco Margoni hat dies nun systematisch untersucht. In Experimenten mit über 530 Drei- bis Zehnjährigen in Mailand zeichneten sie die soziale Entwicklung detailliert nach. Die Ergebnisse zeigen: Kinder handeln oft intuitiv prosozial, und das bleibt auch im Schulalter stabil.
Im sogenannten Diktatorspiel teilten bereits die Jüngsten ihre Süßigkeiten, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Dreijährige spendeten spontan Bonbons in einen gemeinsamen Topf, wenn man ihnen erklärte, dass alle davon profitieren würden. Sie gingen offenbar intuitiv davon aus, dass andere mitmachen. Wurden sie aufgefordert, vor der Entscheidung nachzudenken, waren sie zögerlicher. Das deutet darauf hin, dass das erste Bauchgefühl fürs Gute stark ist.
Viele Eltern befürchten, dass Wettbewerb und soziales Vergleichen in der Schule das Urvertrauen ihrer Kinder beschädigen. Die Mailänder Studie zeigt jedoch: Selbst wenn Kinder älter werden, bleibt ihre prosoziale Intuition robust. Mussten sie sich schnell entscheiden, agierten Grundschüler genauso gemeinschaftsorientiert wie Kindergartenkinder. Die Forscher folgern, dass die angeborene Hilfsbereitschaft auch unter veränderten Lebensumständen bestehen bleibt.
Interessant ist der Effekt des Nachdenkens: Im Kindergarten kooperierten Kinder nach reiflicher Überlegung eher schlechter, ab acht Jahren dagegen prosozialer als bei spontanen Entscheidungen. Mit wachsender geistiger Reife lernen Kinder, abstrakte Regeln anzuwenden und Ungleichheit zu erkennen. Während Dreijährige unfaire Teilungen noch gutmütig hinnahmen, ächteten ältere Kinder solches Verhalten zunehmend. Der Psychologe Tobias Grossmann von der University of Virginia kommentiert: „Wir müssen nicht erst beigebracht bekommen, freundlich zu sein. Aber während wir heranwachsen, lernen wir, uns bewusst für Freundlichkeit zu entscheiden.“
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„Krass: Schon Babys helfen intuitiv. Eine Studie zeigt, dass Freundlichkeit angeboren ist – und nicht erst antrainiert werden muss."
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