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tiere Chile · CL

Letzter Baum einer Art durch Samenbank gerettet

Botaniker sammeln 25 lebensfähige Samen des letzten Kohlbaums auf Juan Fernández und ziehen acht Keimlinge in Kew Gardens.

Auf der abgelegenen chilenischen Insel Juan Fernández, rund 800 Kilometer vor der Küste, wächst der letzte bekannte Kohlbaum Dendroseris neriifolia. Der etwa 150 Jahre alte Baum steht auf einem steilen Kliff einer Schlucht und wurde mit Seilen gesichert, damit er nicht abstürzt – sein Verlust würde das Ende der gesamten Art bedeuten. Der Kohlbaum gehört zur Familie der Gänseblümchen, wächst aber als Baum und ist eine von elf Arten der Gattung Dendroseris, die alle nur auf dieser Insel vorkommen. Vor der Ankunft des Menschen und eingeschleppter Tiere war die Art weit verbreitet, doch Ziegen und Lebensraumzerstörung dezimierten ihren Bestand. In den 1980er Jahren gab es noch acht Exemplare, aber Schutzmaßnahmen scheiterten, weil invasive Arten in die letzten Rückzugsgebiete vordrangen. Seit 2017 existiert nur noch ein einziger Baum mit einigen lebensfähigen Ästen.

Ein Team um den Botaniker Diego Penneckamp vom botanischen Garten VerdeNativo wagte ein riskantes Manöver: Sie schüttelten 400 Samen in Netze und untersuchten sie auf Lebensfähigkeit. Nur 29 Samen zeigten erste Anzeichen, Röntgenanalysen reduzierten die Zahl auf 25 wirklich lebensfähige Samen. Von diesen lagerten die Botaniker in der Millennium Seed Bank des Royal Botanic Garden (Kew) in Großbritannien 17 Samen ein. Aus den restlichen acht zogen sie Keimlinge: Fünf bleiben in Kew, drei gehen zur Sicherheit zum Royal Botanic Garden Edinburgh. Ein weiteres junges Exemplar wächst bereits im VerdeNativo-Garten. Die geringe Anzahl fruchtbarer Samen führen die Wissenschaftler auf einen genetischen Flaschenhals zurück – die Art hat so wenige Individuen, dass die genetische Vielfalt stark eingeschränkt ist.

Juan Fernández ist bekannt für seine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt: Zwei Drittel der Pflanzen kommen nur dort vor, viele sind stark bedroht. Von den elf Dendroseris-Arten gelten sechs als gefährdet, vier als vom Aussterben bedroht, eine existiert nur noch in Pflege. Die Blüten der Kohlbäume sind eine wichtige Nahrungsquelle für den ebenfalls stark bedrohten Juan-Fernández-Kolibri. Die Rettung des Kohlbaums könnte daher auch dem Kolibri zugutekommen. Die eingelagerten Samen und die gezogenen Keimlinge geben Hoffnung, dass die Art nicht für immer verschwindet – und dass eines Tages vielleicht wieder mehrere Bäume auf der Insel wachsen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Stell dir vor, es gibt nur noch einen einzigen Baum seiner Art – und der steht auf einem Kliff. Botaniker haben seine Samen gerettet und ziehen jetzt neue Bäume."

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