Korallenriff vor Benin lebt doch — 60 Jahre für tot gehalten
Beninische Forscher fanden das gesunde Riff nach jahrelanger Suche wieder — mit acht Korallenarten und ebenso vielen Fischarten.
In den 1960er-Jahren zogen Fischereiforscher vor der Küste des westafrikanischen Landes Benin unerwartet Korallenstücke in ihren Netzen an Land. Sie waren im Auftrag lokaler Behörden unterwegs, um die Fischvielfalt zu untersuchen und mögliche Fanggründe zu kartieren – der Korallenfund wurde damals nur in einem kurzen Absatz eines mehr als 130-seitigen Berichts erwähnt und danach weitgehend vergessen.
Seither hatte niemand mehr genau vermessen, wo dieses Riff tatsächlich lag. Während weltweit seit den 1950er-Jahren durch Korallenbleiche und Überfischung mehr als die Hälfte aller Riffflächen verschwunden ist, gingen Fachleute in Benin lange davon aus, dass auch ihr Riff diesem Schicksal längst zum Opfer gefallen war.
Mehr als sechs Jahrzehnte später hat ein Team beninischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Rätsel gelöst: Sie fanden das Riff wieder – gesund, voller Leben, mit mindestens acht Korallenarten und acht Fischarten. „Ich wurde von Hoffnung geleitet. Der Hoffnung, dass es manchmal Arten oder Ökosysteme gibt, die der Zeit gewissermaßen trotzen oder sich ihr widersetzen“, sagte Projektleiter Gérard Zinzindohoué.
Den Anstoß gab ein Erlebnis in Kap Verde im Jahr 2021, wo Zinzindohoué zum ersten Mal selbst Korallen sah und sich fragte, ob es Vergleichbares auch vor der Küste seines eigenen Landes geben könnte. Ein Kollege verschaffte ihm Zugang zu dem alten Bericht aus den 1960er-Jahren, der ein mögliches, rund 24 Meilen langes Riffband entlang der beninischen Küste verzeichnete. Es folgten Jahre voller gescheiterter Förderanträge, bis ein Stipendium der National Geographic Society im Januar 2025 den entscheidenden Anschub brachte.
Selbst mit Fördergeld war die Suche alles andere als einfach. Fast 80 Prozent des Budgets flossen allein in Sonartechnik, deren europäischer Hersteller zunächst keine Zahlung von einem afrikanischen Bankkonto akzeptieren wollte. Weil Benin über kein eigenes Forschungsschiff verfügt, musste das Team lokale Fischerboote anheuern und improvisieren, um die empfindliche Sonartechnik rund 14 Meilen vor die Küste zu schleppen – nach eigenen Angaben ein riskantes Unterfangen für alle Beteiligten.
Nach Monaten mit Motorschäden und Seekrankheit gelang schließlich die entscheidende Ortung: zwei starke Sonarechos aus der Tiefe. Eine hochauflösende Tiefsee-Kamera, die National Geographic zur Verfügung stellte, bestätigte den Fund vor Ort. Erst zurück an Land konnte das Team die Aufnahmen sichten – und entdeckte ein Riff voller Leben, von weichen und schwarzen Korallen bis zu Fischarten wie dem Goldenen Schnapper.
„60 Jahre später entdecken wir jetzt genau das, was wir in unserem Wasser haben. Es lebt noch, es produziert mehr Fisch für die Gemeinden und sichert Lebensgrundlagen“, berichtete Houangninan Midinoudewa, ein an der Entdeckung beteiligter Meeresforscher, über den Moment, als die ersten Bilder eintrafen.
Weil das Riff in mehr als 50 Metern Tiefe liegt und damit außerhalb der Reichweite von Sonnenlicht für klassische, flache Korallenriffe, gilt es als sogenanntes mesophotisches Korallenökosystem – eine Übergangsform zwischen flachen und tiefen Meereslebensräumen, die zu den am wenigsten erforschten Teilen der tropischen Artenvielfalt zählt.
Für die Forschenden ist der Fund erst der Anfang. Midinoudewa arbeitet bereits an einem Antrag, das Gebiet international als wichtige Schutzzone für Haie und Rochen auszuweisen, und das Team hofft, das Riff dauerhaft als Meeresschutzgebiet zu sichern. „Wir müssen nicht darauf warten, dass andere in unser Land kommen, um uns zu zeigen, was unter unserem Meer liegt. Wir sind diejenigen, die Verantwortung übernehmen müssen“, sagte Zinzindohoué.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Ein Forscher aus Benin fragte sich einfach: Haben wir eigentlich Korallenriffe vor unserer eigenen Küste? 60 Jahre nach der ersten Spur hat er die Antwort gefunden."
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