Neuer Pinsel-Test erkennt Mundkrebs ohne Skalpell
Ein einfacher Abstrich liefert in unter einer Stunde die gleiche Genauigkeit wie eine schmerzhafte Gewebeprobe.
Ein Abstrich mit einer weichen Bürste im Mund, die Analyse von vier Genen, ein Ergebnis in weniger als einer Stunde – so einfach beschreiben Forschende der Queen Mary University of London ihren neuen Test für Mundkrebs, entwickelt gemeinsam mit Partnern in Indien. Er soll künftig eine schmerzhafte Alternative überflüssig machen: die klassische Biopsie mit dem Skalpell.
Mundkrebs zeigt sich meist zunächst als anhaltende Wunde oder verfärbte Stelle an Lippen, Zahnfleisch, Zunge oder Wangeninnenseite. Die meisten dieser Veränderungen sind harmlos, doch die verdächtigen Fälle müssen über Monate oder Jahre beobachtet werden – und genau hier liegt bislang das Problem: Wiederholte Biopsien mit dem Skalpell sind schmerzhaft, gerade an einer ohnehin empfindlichen Stelle. Viele Patientinnen und Patienten lassen deshalb Kontrolltermine irgendwann ausfallen. Eine Überwachung, die Betroffene meiden, überwacht am Ende nichts.
Der neue Test namens qMIDS (kurz für „quantitative Malignancy Index Diagnostic System") setzt genau hier an. Ein Abstrich der verdächtigen Stelle wird auf die Aktivität von vier Genen untersucht, die mit Mundkrebs in Verbindung stehen; ein zweiter Abstrich von einer unauffälligen Stelle im Mund dient als Vergleichswert. In einer Studie mit 545 Patientinnen und Patienten mit möglicherweise krebsartigen Mundläsionen erreichte der Test eine Gesamtgenauigkeit von 95,5 Prozent, bei falsch-positiven wie falsch-negativen Ergebnissen jeweils unter fünf Prozent. Die Studie wurde im Fachjournal Biomarker Research veröffentlicht.
„Das gibt Ärztinnen und Ärzten ein schnelles, genaues und nicht-invasives Werkzeug zur Einordnung von Patientinnen und Patienten an die Hand – und entscheidend ist: Es lässt sich wiederholen", sagt Muy-Teck Teh, Onkologe an der Queen Mary University of London. „Das bedeutet, wir können Menschen mit anhaltenden Vorstufen von Mundkrebs jetzt regelmäßig und systematisch überwachen und Krebs deutlich früher erkennen als bisher."
Die Forschenden selbst zeigten sich vom Ausmaß der Übereinstimmung überrascht. „Wir waren wirklich erstaunt, dass die Leistung des Pinsel-Abstrichs mit der einer Mikrobiopsie vergleichbar ist", sagt Teh. Das deute darauf hin, dass das biologische Signal der vier untersuchten Gene stark und verlässlich genug sei, um selbst aus oberflächlich abgeschabten Zellen zuverlässig erkannt zu werden.
Mundkrebs-Erkrankungen haben sich weltweit seit 1990 mehr als verdoppelt, ebenso die Zahl der Todesfälle – begünstigt unter anderem durch Rauchen, Alkohol und HPV-Infektionen. Frühzeitige Erkennung ist entscheidend, doch ein Diagnose-Werkzeug nützt wenig, wenn es zu unangenehm ist, um es regelmäßig zu nutzen.
Teh und sein Team arbeiten inzwischen an der kommerziellen Vermarktung des Tests und rechnen damit, dass qMIDS innerhalb der nächsten zwei Jahre in der klinischen Praxis ankommen könnte.
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„Ein neuer Test erkennt Mundkrebs mit einem einfachen Wattestäbchen-Abstrich genauso genau wie eine schmerzhafte Biopsie – Ergebnis in unter einer Stunde."
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