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Kunststoff wird zu Kerosin – 73% weniger CO2

Forscher wandeln Styropor in hochwertigen Flugzeugtreibstoff um – günstiger und effizienter als bisher.

Die Luftfahrt steht vor einem Dilemma: Flugzeuge sind auf fossile Treibstoffe angewiesen, und anders als Autos lassen sie sich nicht einfach mit Batterien antreiben. Gleichzeitig wächst der Plastikmüllberg weltweit – besonders problematisch ist Styropor, das kaum recycelt wird und meist auf Deponien landet. Einem Forscherteam aus China ist nun ein Durchbruch gelungen, der beide Probleme gleichzeitig angehen könnte.

Die Wissenschaftler der Nanjing Forestry University und der Tsinghua University haben ein zweistufiges Verfahren entwickelt, das Styropor in hochwertiges Kerosin verwandelt. Styropor, chemisch Polystyrol genannt, ist ein leichter Kunststoff, der vor allem für Verpackungen und Dämmung verwendet wird. Er besteht zum Großteil aus Luft, was das Sortieren und den Transport teuer macht – daher wird fast alles Styropor heute einfach weggeworfen.

Das neue Verfahren arbeitet in zwei Schritten: Zuerst wird das Styropor auf 460 Grad Celsius erhitzt, in einer Wasserstoff-Atmosphäre. Dabei zerfallen die langen Polymer-Ketten in kürzere Bruchstücke. Im zweiten Schritt werden diese Bruchstücke über einen Katalysator aus dem Edelmetall Ruthenium geleitet, bei 160 Grad Celsius. Dabei entstehen energiereiche Kohlenwasserstoff-Moleküle, sogenannte Alkane – genau die Art von Molekülen, die in Flugzeugtreibstoff stecken.

Die Ergebnisse sind beeindruckend: 94,8 Prozent des eingesetzten Styropors werden in flüssigen Treibstoff umgewandelt. Eine erste Analyse zeigt, dass der so gewonnene Treibstoff 73 Prozent weniger CO₂ verursacht als herkömmliches Kerosin aus Erdöl. Und er ist preislich konkurrenzfähig: Die Forscher schätzen, dass der Treibstoff für 1 bis 1,80 Dollar pro Kilogramm hergestellt werden kann – das liegt im Bereich des heutigen Kerosinpreises.

Frühere Versuche, Plastik in Treibstoff zu verwandeln, waren entweder zu langsam, zu teuer oder lieferten zu geringe Ausbeuten. Das neue Verfahren braucht zwar höhere Temperaturen, ist aber deutlich schneller, liefert eine viel höhere Ausbeute und benötigt niedrigere Drücke. Die Studie wurde im renommierten Fachjournal Nature Energy veröffentlicht.

Ob sich das Verfahren im großen Maßstab wirtschaftlich umsetzen lässt, muss sich noch zeigen. Aber der Ansatz ist vielversprechend: Er könnte nicht nur die Klimabilanz des Fliegens verbessern, sondern auch ein riesiges Müllproblem lösen – und das zu einem Preis, der ohne Subventionen auskommt.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Styropor wird zu Kerosin – und spart dabei 73% CO2. Klingt irre, ist aber gerade in Nature Energy erschienen."

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