Leere Flaschen am Fischernetz retten Delfine vor dem Tod
Ein einfacher Trick macht Fischernetze für die Echoortung von Delfinen sichtbar – getestet an 1.600 echten Netzen.

Fischernetze aus dünnem Nylon hängen im Wasser fast unsichtbar – nicht nur für Menschen, sondern auch für Delfine. Diese orientieren sich per Echoortung: Sie senden Klicklaute aus und lesen aus dem zurückkommenden Echo, was sich in ihrer Umgebung befindet. Bei feinem Nylongewebe liefert diese Methode aber kein zuverlässiges Signal – das Material ist zu dünn und akustisch dem Wasser zu ähnlich. Delfine schwimmen deshalb hinein, ohne die Gefahr zu erkennen, und kommen nicht wieder heraus.
Das Problem hat gewaltige Ausmaße: Allein in britischen Gewässern sterben laut der Organisation Whale and Dolphin Conservation jedes Jahr rund 1.000 Schweinswale und mehrere Hundert Delfine, darunter 250 Gewöhnliche Delfine, als Beifang in Stellnetzen. Weltweit gehört Beifang in der Fischerei zu den Haupttodesursachen von Walen, Delfinen und Schweinswalen.
Per Berggren, Professor an der britischen Universität Newcastle, stellte sich deshalb eine einfache Frage: Was, wenn man dem Netz etwas hinzufügt, das tatsächlich ein Echo erzeugt? Seine Antwort: leere Flaschen. Plastikflaschen enthalten eine Luftblase, die Schall völlig anders reflektiert als Wasser – ein Echolot-Klick eines Delfins erzeugt dadurch ein deutlich stärkeres Echo als am reinen Nylongewebe. Glasflaschen wiederum bestückte das Team mit Metallbolzen, sodass sie beim Bewegen im Wasser zusätzlich ein leises Klirren erzeugen – ein weiteres, nicht auf Echoortung basierendes Warnsignal für die Tiere.
Getestet wurde die Methode in zwei Studien an mehr als 1.600 realen Fischernetzen in Sansibar, Peru und Brasilien, veröffentlicht in den Fachjournalen Fisheries Research und Marine Mammal Science. Die Ergebnisse fielen je nach Ort unterschiedlich aus: In Peru, wo die Netze nah der Wasseroberfläche ausgelegt werden, sank die Zahl gefangener Delfine, Schweinswale und Meeresschildkröten nicht – dafür stieg dort aber der Fang an Zielfischen, ebenso wie ungewollt der an Haien.
Trotz der gemischten Ergebnisse aus Peru fällt Berggrens Gesamtbilanz positiv aus: „Das Anbringen von Plastikflaschen an Fischernetzen kann den Beifang von Delfinen weltweit reduzieren – und das kann sich jede Fischerin, jeder Fischer leisten." Die Flaschen lassen sich an bestehenden Netzen befestigen, benötigen keine zusätzliche Infrastruktur und können aus ohnehin vorhandenem Plastikmüll stammen statt eigens gekauft zu werden. „Es ist außerdem befriedigend zu wissen, dass wir damit einen Teil des Plastikmülls verwenden, der unsere Meere verschmutzt", sagt Berggren – während der Versuche sei zudem keine einzige der befestigten Flaschen selbst im Meer gelandet.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Ein Forscher hat leere Flaschen an Fischernetze gehängt – seitdem erkennen Delfine die Netze rechtzeitig und schwimmen weiter."
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