London rettet Baumaterialien vor dem Müll
5 Hektar große Anlage in Newham gibt Holz, Ziegeln und Stahl ein zweites Leben

In London entsteht eine der größten Kreislaufwirtschaften für Baumaterialien in Großbritannien. Die Initiative Yes Make hat sich zum Ziel gesetzt, die wertvollen Hölzer, Ziegel, Gläser und Stahlteile, die die Stadt so schön machen, vor dem Müll zu bewahren. Gegründet wurde sie von Joel De Mowbray, der von einer „Straßenlogik“ spricht und sich von bürokratischen Hürden nicht aufhalten ließ.
Das Herzstück ist das 5 Hektar große Gelände Tipping Point East im Londoner Stadtteil Newham. Es ist nicht nur die größte Anlage dieser Art in London, sondern im gesamten Vereinigten Königreich. Hier werden Materialien gesammelt, sortiert und für die Wiederverwendung aufbereitet. Mehr als die Hälfte des gesamten britischen Abfalls stammt aus der Bauindustrie – ein Problem, das De Mowbray mit seiner Arbeit adressiert.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist eine 105 Jahre alte Sequoia aus dem Linford Arboretum. Statt sie zu entsorgen, wurde sie nach Tipping Point East gebracht. Dort organisierte Yes Make einen Workshop mit der National Saw Mills Organisation, um aus dem alten Baumstamm nutzbares Holz zu gewinnen. Auch exotische Hölzer wie Mahagoni, Teak und Afromosia, die in Londons Architektur verbaut sind, werden so vor der Verschrottung bewahrt.
Das jüngste Projekt von Yes Make ist die neue HEJ Coffee Roastery an der Old Kent Road. Dafür lieferte das Team eine maßgefertigte Struktur aus Douglasie und Eiche, die aus den Londoner Docklands stammt. „Dieses Stück erzählt Geschichten von den Gezeiten und der Stadt“, schrieben sie auf Instagram. Die Materialien werden nicht nur für einzelne Projekte genutzt, sondern auch in großen Mengen an Bauunternehmen verkauft – oft zu einem Zehntel des Preises von Neuware.
Ähnliche Initiativen gibt es auch in den USA, etwa Re:purpose Savannah in Georgia. Dort werden alte Gebäude abgebaut und ihre Bestandteile wie Ziegel, Balken und Türen verkauft. Die Non-Profit-Organisation restauriert die Materialien leicht, um Fäulnis oder Risse zu entfernen, und bietet sie im eigenen Holzlager an. Solche Projekte zeigen, wie Kreislaufwirtschaft in der Bauindustrie funktionieren kann – und wie Städte ihre eigene Geschichte weiterschreiben können.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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