Mallorcas Party-Ort Magaluf wandelt sich durch Touristensteuer
Zehn Jahre gezielte Investitionen aus einer Touristenabgabe haben den als 'Shagaluf' verschrienen Ferienort sichtbar verändert.
Mora Bosch, Tourismusdirektor der Region Calvià, sitzt an einem Sommerabend in einem Restaurant am Jachthafen von Port Adriano, umgeben von millionenschweren Yachten. Nur wenige Autominuten entfernt liegt Magaluf, jener Teil seiner Region, der über Jahrzehnte den Ruf begründete, wo Britinnen und Briten im Urlaub besonders über die Stränge schlagen. Billiges Bier, Alkoholexzesse und Junggesellenabschiede machten aus „Shagaluf" ein eigenes Boulevard-Genre.
Der Wendepunkt kam 2014, als ein Video um die Welt ging, das eine junge Britin bei sexuellen Handlungen mit mehreren Männern im Rahmen einer Trinkspiel-Werbeaktion in einer Bar zeigte. „Es war eine gesetzlose Stadt", sagt Mora Bosch rückblickend – und genau dieser Moment habe die Behörden zum Handeln gezwungen. Calvià schränkte daraufhin Kneipentouren, Alkoholverkauf auf der Straße und Trinkspiel-Werbung ein; in als „Übertourismus"-Zonen ausgewiesenen Gebieten wurde der Alkoholverkauf zwischen 21:30 und 8 Uhr verboten.
2016 folgte die balearische Nachhaltigkeits-Tourismussteuer, die Gäste je nach Unterkunft und Saison zahlen. Bis Juli 2025 wurden darüber knapp 300 Projekte im Wert von fast 850 Millionen Euro finanziert. „Der Hauptzweck der Tourismussteuer ist, die Auswirkungen des Tourismus auszugleichen", erklärt Miguel Rosselló Jiménez vom balearischen Tourismusministerium – das Geld fließt in Projekte, die das Reiseziel ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltiger machen sollen.
Sichtbar wird das etwa an Magalufs neuer Strandpromenade: ebene Wege, Begrünung, Sitzgelegenheiten, Platz für Rollstühle und Kinderwagen. Einheimische Pflanzen und aufbereitetes Wasser reduzieren den Druck auf die lokale Wasserversorgung, Strandduschen nutzen Meerwasser. Der zweite, drei Millionen Euro teure Bauabschnitt wurde im Mai 2026 fertiggestellt – vollständig finanziert aus der Tourismussteuer.
Parallel dazu verändert sich auch das Hotelangebot: Der Fergus-Konzern übernahm ein früher stark auf die 18-bis-30-jährige „Trinktourismus"-Zielgruppe ausgerichtetes Hotel und investierte rund 20 Millionen Euro, um daraus drei familienorientierte Häuser zu machen. „Der Unterschied ist enorm", sagt Mora Bosch dazu.
Ganz verschwunden ist die alte Partymeile trotzdem nicht: Auf dem sogenannten Strip pochen weiter Bässe aus offenen Bars, doch mehrere Lokale stehen inzwischen leer, und auffällig viele Gäste wirken älter, als man dort erwarten würde. Für Anwohnerin Marta ist der eingeschlagene Weg trotzdem richtig: „Wir wollen mehr Qualität und weniger Menge", sagt sie – auch wenn manche Nachbarn die Geduld längst verloren hätten.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Magaluf war jahrzehntelang für Partyexzesse berüchtigt. Eine Touristensteuer hat seitdem fast 850 Millionen Euro in den Ort investiert."
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