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tiere Tansania · TZ

Massai-Krieger schützen jetzt Löwen, statt sie zu jagen

In Tansania und Kenia arbeiten über 160 Massai heute als bezahlte Löwenschützer statt als Löwenjäger.

Für die Massai in Ostafrika galt jahrhundertelang eine klare Regel: Wer als Krieger etwas gelten wollte, musste seinen Mut beweisen, am besten mit dem Speer gegen einen Löwen, der die Rinderherde bedrohte. Vor etwa hundert Jahren streiften noch rund 200.000 Löwen durch Afrika, sodass einzelne Jagden der Gesamtpopulation kaum schadeten. Heute leben nur noch zwischen 20.000 und 32.000 Löwen in freier Wildbahn, etwa die Hälfte davon in ostafrikanischen Ländern wie Tansania, unter anderem weil Weideflächen und Lebensraum von Mensch und Tier immer enger zusammenrücken.

Genau hier setzt ein Umdenken an, das seit über zwanzig Jahren wächst. Die Organisation African People and Wildlife (APW) arbeitet seit 2005 in der Region rund um den Tarangire-Nationalpark in Tansania mit den dort lebenden Gemeinden zusammen, etwa um deren Viehgehege mit Dornenhecken und Zäunen besser gegen Raubtiere zu sichern. Ab 2010 ging der Massai-Krieger Elvis Kisimir noch einen Schritt weiter und warb gezielt Männer an, die mit ihrem Wissen über die Natur Löwenbewegungen verfolgen und Hirten bei der Wahl sicherer Weiderouten beraten sollten, als bezahlte Aufgabe statt als Jagd.

Heute gehören mehr als 160 Massai-Krieger zum Programm „Warriors for Wildlife" und sind in Dutzenden Dörfern Nordtansanias aktiv. Mit GPS-Geräten und Smartphones verfolgen sie Löwen und andere Raubtiere, tragen Sichtungen in eine gemeinsame digitale Karte ein und tauschen sich in einer WhatsApp-Gruppe aus, um Hirten rechtzeitig zu warnen. Reißt ein Löwe doch einmal Vieh, eilen die Krieger dorthin, um zu vermitteln, bevor es zu Vergeltungsschlägen gegen die Tiere kommt.

Ein ganz ähnliches Modell verfolgt seit rund zwei Jahrzehnten die Organisation Lion Guardians im Süden Kenias, nahe dem Amboseli-Nationalpark. Dort inszenieren die Wächter kontrollierte Scheinjagden mit Lärm statt Speeren, um Löwen fernzuhalten, ohne sie zu töten, und behalten dabei die traditionellen roten Umhänge der Massai an, damit die Tiere lernen, die Wächter wiederzuerkennen. Die neue Rolle bringt echtes Einkommen: Die Krieger können damit Vieh kaufen und Schulgeld für ihre Familien bezahlen. Nach Angaben der Organisationen hat sich dadurch auch das gesellschaftliche Ansehen verschoben – wer heute Löwen schützt, statt sie zu jagen, gilt in seiner Gemeinde als ebenso angesehen wie früher ein erfolgreicher Jäger.

Nicht überall ist der Wandel schon angekommen: Weil Rinder für die Massai nach wie vor Wohlstand und Nahrung zugleich bedeuten, kommt es weiterhin zu vereinzelten Vergeltungstötungen, bei denen ganze Löwenrudel durch Gift getötet werden. Doch die wachsende Zahl bezahlter Löwenschützer zeigt, dass sich Naturschutz und die kulturelle Identität der Massai nicht ausschließen müssen, sondern sich gegenseitig stärken können, wenn Gemeinden ihn selbst mitgestalten.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„Löwen töten galt bei den Massai als größter Mutbeweis. Heute verdienen über 160 Krieger ihr Geld damit, genau diese Löwen zu schützen."

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