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Bambus-Brücken verdoppeln wandernde Krebs-Population in Taiwan

Kleine Bambus-Brücken helfen wandernden Krebsen sicher zum Meer – ihre Zahl hat sich in einem Jahr verdoppelt.

Einmal im Jahr, zwischen Juli und September, verlassen in Taiwan unzählige Mangroven-Landkrabben ihre Erdbauten im Landesinneren und wandern zu den Stränden nahe des Taijiang-Nationalparks. Dort legen die Weibchen ihre Eier ab – ein Ritual, das die Krabben seit Jahrtausenden auf denselben Wegen zurücklegen.

Das Problem: Diese Wege verlaufen heute mitten durch eine Landschaft, die sich in den vergangenen 60 Jahren rasant verändert hat. Neue Straßen und Wasserläufe durchschneiden die alten Routen der Krabben, und die trächtigen Weibchen – ihr Hinterleib voller Eier – können anders als sonst nicht einfach schwimmend ausweichen.

Anders als die berühmten Rotkrabben der Weihnachtsinsel, deren harte Panzer schon Autoreifen zum Platzen bringen können, sind die taiwanesischen Mangrovenkrabben klein und unauffällig genug, dass ihnen bislang kaum jemand beim Autofahren auswich. Freiwillige und Mitarbeitende des Taijiang-Nationalparks haben das geändert: Sie bauen kleine Brücken aus Bambus über Gräben und Wasserläufe, die den Krabben früher den Weg versperrten, und sperren zeitweise eine örtliche Straße, wenn die Tiere in großer Zahl unterwegs sind.

Der Effekt lässt sich in Zahlen belegen: Im vergangenen Jahr zählten Beobachtende 10.000 wandernde Krabben – doppelt so viele wie im Jahr zuvor. „Die Landkrabbe bringt Nährstoffe aus dem Meer zurück ins Land und lässt so den Küstenwald gedeihen", erklärte Taijiang-Nationalparkdirektor Chen Jun-shan gegenüber Reuters. „Wer die Landkrabben schützt, schützt damit den gesamten Küstenwald-Gürtel."

Die Lösung ist bewusst einfach gehalten: Statt aufwendiger Bautechnik reichen Bambusstangen, wie sie in Taiwan ohnehin verfügbar sind, und die Bereitschaft von Nationalpark und Anwohnerschaft, während weniger Wochen im Jahr kurzzeitig auf eine Straße zu verzichten. Für die Krabben bedeutet das einen sicheren Weg zum Meer – und für den Küstenwald einen verlässlichen Nachschub an Nährstoffen, Jahr für Jahr.

Die taiwanesische Erfahrung zeigt, dass Naturschutz nicht immer Millionen oder große Bauprojekte braucht – manchmal genügen ein paar Bambusstangen und Nachbarn, die bereit sind, für ein paar Wochen im Jahr Rücksicht zu nehmen.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

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„In Taiwan bauen Freiwillige kleinen Krabben Bambus-Brücken über Straßen – die Zahl der wandernden Tiere hat sich dadurch verdoppelt."

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