Mehrheit der US-Amerikaner will strengere KI-Regeln
Über 70% fordern ein Recht auf menschliche Interaktion in Medizin, Justiz und Bildung – parteiübergreifend.

Künstliche Intelligenz ist längst im Alltag angekommen – sie schreibt Texte, erstellt Bilder, hilft bei der Steuererklärung. Doch wie viel Macht soll diese Technologie über unser Leben haben? Eine neue Umfrage der Johns Hopkins University liefert eine klare Antwort: Die große Mehrheit der US-Amerikaner will strenge Regeln.
Mehr als 70 Prozent der Befragten fordern ein gesetzlich verankertes „Recht auf einen Menschen“ – also die Möglichkeit, in medizinischen, rechtlichen, bildungspolitischen und behördlichen Angelegenheiten mit einem echten Menschen statt mit einer KI zu interagieren. Besonders hoch ist der Wunsch im Gesundheitswesen: 79 Prozent wollen bei medizinischen Entscheidungen einen Menschen an ihrer Seite. Bei Gerichtsverfahren sind es 76 Prozent, im Bildungsbereich 74 Prozent.
Überraschend: Diese Forderung wird nicht nur von KI-Skeptikern getragen. „Tägliche KI-Nutzer und Menschen, die KI positiv sehen, wollen ebenfalls Regulierung“, sagt Christopher Honey, Computational Cognitive Neuroscientist an der Johns Hopkins University. Die Umfrage, an der im April und Mai über 2.000 Menschen teilnahmen, zeigt eine gespaltene Gesellschaft: Ein Drittel hat eine positive, ein Drittel eine negative und ein Drittel eine gemischte Einstellung zu KI. Dabei sind jüngere Menschen (18–29 Jahre) deutlich positiver eingestellt als Ältere (60+).
Neben dem „Recht auf einen Menschen“ fordern die Befragten mehr Transparenz und Privatsphäre: 75 Prozent wollen wissen, wenn sie mit einer KI interagieren. 73 Prozent sind dafür, dass KI nicht die Gesichter und Stimmen von Menschen nutzen darf. 68 Prozent wünschen sich Pflicht-Kennzeichnungen für KI-generierte Bilder und Videos.
Die Umfrage zeigt auch, wem die Amerikaner bei bestimmten Aufgaben vertrauen: 67 Prozent vertrauen KI bei der Suche nach Fakten, aber nur 32 Prozent bei der Arbeit als Kollege. Besonders gering ist das Vertrauen in KI als Richter (81 Prozent misstrauen) oder als Fahrer (76 Prozent).
Rund 60 Prozent der Erwachsenen erwarten, dass KI die Ungleichheit in den nächsten zehn Jahren vergrößern wird. Gleichzeitig gibt es breite Unterstützung für eine „digitale Dividende“ – eine kleine monatliche Zahlung an jeden Erwachsenen, finanziert durch eine Steuer auf große Technologieunternehmen. Diese Idee wird von 52 Prozent der Republikaner, 60 Prozent der Demokraten und 52 Prozent der Unabhängigen befürwortet.
Die Forscher planen, die Umfrage jährlich zu wiederholen, um die Entwicklung der öffentlichen Meinung zu verfolgen. „Wir nehmen den Puls der Nation“, sagt Rolando Masís-Obando, Computational Neuroscientist an der Johns Hopkins University. Die Ergebnisse werden im Juni auf der Konferenz „The Future of Our Realities 2026“ in Washington vorgestellt.
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„Stell dir vor, du gehst zum Arzt und eine KI entscheidet über deine Behandlung – ohne dass du es weißt. Die meisten Amerikaner sagen: Nein, danke."
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