Arktisches Fischereiabkommen hält seit 5 Jahren – trotz Weltkrisen
Zehn Staaten, darunter Russland, USA und China, arbeiten gemeinsam für den Schutz der Arktis.

Die Nachrichten aus der Arktis sind meist düster: Die Region erwärmt sich drei- bis viermal schneller als der globale Durchschnitt, das Meereis schmilzt, der Permafrost taut. Gleichzeitig haben der Ukraine-Krieg und die Spannungen zwischen Russland und dem Westen die Zusammenarbeit im Arktischen Rat weitgehend zum Erliegen gebracht. Doch es gibt eine bemerkenswerte Ausnahme: das Abkommen zum Schutz des zentralen Arktischen Ozeans vor kommerzieller Fischerei.
Vor fünf Jahren, im Juni 2021, trat das „Central Arctic Ocean Fisheries Agreement“ in Kraft – ein Vertrag zwischen den USA, Russland, China, Kanada, Dänemark (Grönland), Norwegen, Island, Japan, Südkorea und der Europäischen Union. Kern des Abkommens ist ein Moratorium: Kein kommerzieller Fischfang in den internationalen Gewässern der zentralen Arktis, bis genügend wissenschaftliche Daten vorliegen, um eine nachhaltige Fischerei zu ermöglichen. Denn bisher hat dort nie kommerzieller Fischfang stattgefunden – das Gebiet war bis vor Kurzem ganzjährig von Eis bedeckt.
Der Vertrag folgt dem sogenannten Vorsorgeprinzip: Statt erst zu handeln, wenn Schäden sichtbar werden, handeln die Staaten vorausschauend. „Es ist das beste Beispiel für das Vorsorgeprinzip, das ich je im Völkerrecht gesehen habe“, sagt David Balton, der die Verhandlungen als US-Diplomat leitete. Das Abkommen verpflichtet die Vertragsparteien zudem zu einem gemeinsamen Forschungsprogramm, um die wenig bekannte Ökologie der Arktis zu verstehen.
Was den Vertrag besonders macht: Er funktioniert trotz der geopolitischen Eiszeit. Seit 2022 treffen sich die zehn Vertragsparteien jährlich – mit russischer Beteiligung. Während der Arktische Rat seine Arbeit weitgehend eingestellt hat, tagen die Vertragsstaaten weiter, zuletzt im Juni 2026 in Brüssel. „Die Bereitschaft, Differenzen beiseitezulegen, um gemeinsame Interessen zu verfolgen, kann viele Vorteile bringen“, so Balton.
Das Abkommen könnte als Modell für künftige Kooperationen in der Arktis dienen – etwa beim wachsenden Schiffsverkehr oder beim Tiefseebergbau. Es zeigt, dass Diplomatie selbst in Zeiten größter Spannungen möglich ist, wenn alle Seiten einen konkreten Nutzen sehen. Für die USA bedeutet der Vertrag eine Ausweitung des erfolgreichen Fischereimanagements vor Alaska auf die Hohe See. Für Länder wie China, Japan und Südkorea bietet er internationale Anerkennung als Akteure in der Arktis. Und für die Arktis selbst bedeutet er Zeit – Zeit, die Region zu verstehen, bevor sie ausgebeutet wird.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor: Russland, USA und China arbeiten zusammen – und das seit fünf Jahren. In der Arktis. Für den Umweltschutz."
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