Menschen kooperieren mehr als sie denken
69% kooperieren fürs Klima, aber nur 47% erwarten das von anderen – eine globale Fehleinschätzung.

Stell dir vor, du bekommst 100 Euro geschenkt – oder du kannst 70 Euro nehmen, und wenn eine fremde Person dasselbe tut, gehen 400 Euro in den Klimaschutz. Was tust du? Die meisten Menschen entscheiden sich fürs Gemeinwohl, wie eine neue Studie zeigt. Forscher der Universität Bonn haben mit über 100.000 Menschen aus 125 Ländern ein standardisiertes Experiment durchgeführt. Das Ergebnis: 69 Prozent der Teilnehmer wählten die kooperative Option, obwohl sie damit einen persönlichen Verlust von 30 Euro in Kauf nahmen. Die Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Science, ist die erste global repräsentative Untersuchung menschlicher Kooperation.
Doch die Forscher fragten die Teilnehmer auch, wie viele ihrer Landsleute wohl kooperieren würden. Die durchschnittliche Schätzung lag bei nur 47 Prozent – eine Lücke von 22 Prozentpunkten, die in 124 der 125 Länder auftrat. „Wenn wir weniger pessimistisch und damit realistischer wären, könnten wir in einer besseren Welt leben“, sagt Studienleiter Armin Falk. Die Forscher bezeichnen diese Fehleinschätzung als eine Form kognitiver Selbsttäuschung: Wir neigen dazu, andere negativer zu beurteilen, als sie tatsächlich sind, während wir selbst großzügiger handeln, als wir zugeben.
Diese Erkenntnis ist mehr als eine akademische Kuriosität. Viele große Herausforderungen – vom Klimawandel über die öffentliche Gesundheit bis zur Bekämpfung von Armut – erfordern gemeinsames Handeln. Wenn die meisten Menschen glauben, dass andere nicht mitmachen, sinkt die eigene Bereitschaft. Der Pessimismus wird zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Die Studie zeigt jedoch: Die Bereitschaft zur Kooperation ist bereits da. Wir müssen nur lernen, sie auch bei anderen zu sehen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Krass: 69% der Menschen kooperieren fürs Klima, aber wir denken, nur 47% tun es. Wir sind besser, als wir glauben."
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