Neuer Ansatz gegen Lungenfibrose: Medikament hemmt Krankheit bei Mäusen
Forscher entdecken genetischen Zusammenhang zwischen Lungenmikrobiom und IPF – 3 Millionen Betroffene weltweit hoffen

Eine rätselhafte Lungenkrankheit, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind und für die es bislang keine Heilung gibt, könnte dank eines neuen Wirkstoffs behandelbar werden. Die idiopathische Lungenfibrose (IPF) ist eine lebensbedrohliche Erkrankung, bei der das Lungengewebe zunehmend vernarbt. Die Folge: Die Betroffenen bekommen immer schlechter Luft, viele sterben innerhalb weniger Jahre nach der Diagnose. Zwei Medikamente können das Fortschreiten der Krankheit zwar verlangsamen, die Symptome bessern sie jedoch nicht. Die biologischen Mechanismen, die IPF auslösen, sind bis heute weitgehend unbekannt.
Ein Forschungsteam um Stavros Garantziotis, Arzt und Wissenschaftler am National Institute of Environmental Health Sciences in Durham, North Carolina, hat nun einen entscheidenden Hinweis gefunden. In einer Studie, die im Fachjournal Science Translational Medicine veröffentlicht wurde, zeigen die Forscher, dass Mäuse mit einer Mutation in einem Gen namens TLR5 (Toll-like-Rezeptor 5) deutlich anfälliger für Lungenfibrose sind als Mäuse ohne diese Mutation. Der TLR5-Rezeptor ist ein Protein auf der Oberfläche von Zellen, das normalerweise Bakterien erkennt und eine Immunreaktion auslöst. Funktioniert dieser Rezeptor nicht richtig, können schädliche Bakterien in der Lunge überhandnehmen.
Garantziotis betont, dass seine Studie die erste ist, die einen genetischen Zusammenhang zwischen dem Lungenmikrobiom – also der Gemeinschaft aller Bakterien in der Lunge – und IPF herstellt. Die Forscher fanden heraus, dass die TLR5-Rezeptoren in den Zellen der Atemwege aktiviert werden, wenn die Lunge verletzt wird, etwa durch Rauchen, wiederholte Infektionen oder Schadstoffe aus der Umwelt. Diese Aktivierung verhindert, dass sich schädliche Bakterien übermäßig vermehren. Nicht jeder, der solche Verletzungen erleidet, entwickelt jedoch IPF – offenbar spielen die genetische Veranlagung und die Art der Bakterien eine entscheidende Rolle.
Brian Oliver, Atemwegsforscher an der University of Technology Sydney, bezeichnet die Ergebnisse als „sehr aufregend“, weil sie einen völlig neuen Ansatzpunkt für die Behandlung von IPF aufzeigen. „Es ist eine sehr neuartige Idee, den TLR5-Rezeptor ins Visier zu nehmen“, sagt Oliver, „denn die wenigsten hätten diesen mit einer fibrotischen Lungenkrankheit in Verbindung gebracht.“ Die Forscher hoffen nun, dass ein Medikament, das diesen Mechanismus blockiert, die Krankheit nicht nur verlangsamen, sondern sogar stoppen könnte. Bis ein solcher Wirkstoff jedoch für den Menschen verfügbar ist, werden noch Jahre der Forschung und klinischer Studien vergehen.
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