WHO: Neue Daten zeigen, wie unsicheres Essen weltweit krank macht
Jährlich 866 Millionen Erkrankungen und 1,5 Millionen Tote – besonders Kinder unter fünf Jahren sind betroffen.

Lebensmittel sind mehr als nur Nahrung – sie können auch gefährliche Stoffe enthalten, die uns krank machen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat jetzt die umfassendste Studie ihrer Art vorgelegt: Für 194 Länder und 42 verschiedene Gefahrenquellen – von Bakterien über Viren bis zu Schwermetallen – wurde berechnet, wie viele Menschen durch unsicheres Essen erkranken oder sterben. Das Ergebnis ist erschütternd: Jährlich gibt es weltweit rund 866 Millionen Erkrankungen und 1,5 Millionen Todesfälle, die auf verunreinigte Lebensmittel zurückgehen.
Besonders betroffen sind die Jüngsten. Kinder unter fünf Jahren machen nur neun Prozent der Weltbevölkerung aus, aber sie tragen fast ein Drittel aller Krankheitsfälle. Vor allem Durchfallerkrankungen sind für sie oft tödlich. Hinzu kommen chemische Gefahren wie Methylquecksilber und Blei, die das sich entwickelnde Gehirn schädigen und lebenslange neurologische Probleme verursachen können. Die meisten Todesfälle durch Chemikalien gehen auf anorganisches Arsen (42 Prozent) und Blei (31 Prozent) zurück – beides Stoffe, die das Risiko für Herzkrankheiten und Krebs erhöhen.
Die wirtschaftlichen Folgen sind enorm: Allein durch Arbeitsausfälle entstehen jährlich Verluste von umgerechnet etwa 310 Milliarden US-Dollar. Bereinigt um die unterschiedlichen Lebenshaltungskosten in den Ländern steigt diese Summe sogar auf 647 Milliarden US-Dollar. „Lebensmittelsicherheit ist kein abstraktes Thema – sie betrifft jede Mahlzeit, jede Familie, jeden Tag“, sagte WHO-Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus. „Zum ersten Mal haben Länder ihre eigenen Daten, um zu sehen, wo die Belastung am höchsten ist.“
Die Studie zeigt auch große regionale Unterschiede: Afrika und Südostasien tragen zusammen fast drei Viertel aller lebensmittelbedingten Erkrankungen und 60 Prozent der Todesfälle. Gleichzeitig ist die Gesamtbelastung seit dem Jahr 2000 gesunken – ein Zeichen, dass Maßnahmen wie bessere Hygiene, sauberes Wasser und Impfungen wirken. Doch neue Herausforderungen kommen hinzu: Der Klimawandel erhöht das Risiko von Kontaminationen, und Antibiotikaresistenzen machen Infektionen schwerer behandelbar.
Die WHO fordert einen ganzheitlichen Ansatz, der die Gesundheit von Menschen, Tieren, Pflanzen und der Umwelt zusammen denkt – den sogenannten One-Health-Ansatz. „Wir können diese Bedrohungen nicht allein bewältigen“, betont Yuki Minato, WHO-Fachmann für Lebensmittelsicherheit. „Länder müssen dringend handeln, in Überwachung investieren und die Grenzen zwischen Gesundheits-, Landwirtschafts- und Umweltsektor überwinden. Verzögerung kostet Leben.“ Die neuen Daten sollen Regierungen helfen, ihre Maßnahmen gezielt auf die größten Risiken auszurichten – und so die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle weiter zu senken.
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