Ölfelder werden zu Rechenzentren – weniger Konflikte
Ein neues Projekt in Kalifornien baut Datenzentren in abgelegenen Ölfeldern, um Lärm- und Energieprobleme zu umgehen.

Datenzentren sind die unsichtbaren Motoren des digitalen Zeitalters – doch sie sind unbeliebt. Umfragen zeigen, dass die meisten Amerikaner keines in ihrer Nachbarschaft haben wollen. Der Grund: Sie verbrauchen enorme Mengen Strom und Wasser, erzeugen Lärm und verschandeln oft die Landschaft. In vielen Bundesstaaten gibt es deshalb neue Gesetze, die den Bau solcher Anlagen erschweren sollen.
Ein Projekt in Kalifornien versucht nun, diesen Konflikt zu umgehen – indem es ein Datenzentrum genau dorthin baut, wo ohnehin schon Industrie ist: in ein altes Ölfeld. Die California Resources Corporation (CRC), der größte Ölkonzern des Bundesstaates, will auf dem Gelände des Elk-Hills-Ölfelds eine 600.000 Quadratmeter große Anlage errichten. Das Gelände liegt abgelegen, mehr als eineinhalb Kilometer von der nächsten Wohnsiedlung entfernt.
Der entscheidende Vorteil: Das Ölfeld verfügt bereits über ein eigenes Gaskraftwerk mit 550 Megawatt Leistung. Es wurde früher genutzt, um Dampf für die Ölförderung zu erzeugen. Da die Produktion in Elk Hills stark zurückgegangen ist, läuft das Kraftwerk heute weit unter seiner Kapazität. Das Datenzentrum könnte diesen überschüssigen Strom nutzen, ohne dass neue Leitungen gebaut werden müssten.
Auch beim Wasserverbrauch setzt CRC auf Effizienz: Ein geschlossenes Kühlsystem soll so wenig Wasser verbrauchen, dass es zehn Jahre braucht, um einen einzigen olympischen Schwimmbecken zu füllen. Zum Vergleich: Herkömmliche Datenzentren verbrauchen oft Millionen Liter pro Jahr.
Das Projekt, das den Namen „Golden Valley Technology Hub“ trägt, soll mindestens 1.500 Bauarbeiter beschäftigen und später 250 feste Arbeitsplätze schaffen. Für die Region Kern County, die unter dem Niedergang der Ölindustrie leidet – die Zahl der Öl-Jobs halbierte sich seit 2015 auf 6.000 – wäre das ein wichtiger Impuls.
CRC selbst wandelt sich zunehmend vom reinen Ölkonzern zum Dienstleister für die Digitalwirtschaft. Das Unternehmen investiert massiv in Technologien zur CO₂-Abscheidung und -Speicherung (Carbon Capture). Erst dieses Jahr startete es eine Anlage, die einen Teil der Abgase des Kraftwerks auffängt und in leere Ölreservoirs presst. Zwar werden damit derzeit nur etwa sieben Prozent der Emissionen eingefangen, doch das Unternehmen hat Platz, um ein Vielfaches mehr zu speichern.
Klimaschutzgruppen in Kalifornien lehnen das Projekt dennoch ab. Sie argumentieren, dass jedes neue Datenzentrum, das mit Erdgas betrieben wird, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen verlängert. Die Umweltrechtsorganisation Earthjustice warnte, die CO₂-Speicherung könne als Vorwand dienen, um weiter Öl zu fördern.
Dennoch zeigt der Trend: Immer mehr Datenzentren entstehen in oder nahe Öl- und Gasfeldern – etwa in Texas, wo das Permian-Becken reichlich Erdgas liefert, oder in Pennsylvania. Für die Ölkonzerne sind sie ein neuer Kunde für ihr Gas, das sonst oft abgefackelt oder abgelassen würde. Für die Tech-Branche sind sie ein Weg, den Widerstand der Anwohner zu umgehen.
Ob das Modell wirklich nachhaltig ist, wird sich zeigen. Klar ist: Die Digitalisierung braucht immer mehr Rechenleistung – und damit immer mehr Strom. Die Frage ist, wo dieser herkommt und wie die Anlagen in die Landschaft passen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Stell dir vor: Ein altes Ölfeld wird zum Standort für ein riesiges Rechenzentrum – weniger Lärm, weniger Ärger mit Anwohnern. Klingt verrückt, aber genau das passiert gerade in Kalifornien."
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