Pilze filtern 80% der Bakterien aus Flüssen
Schwammartige Pilzgeflechte aus Schmetterlingstrameten entfernen E. coli und Nährstoffe – England setzt die Methode bereits großflächig ein.

Pilze können mehr als nur auf dem Teller landen: In England werden sie jetzt genutzt, um verschmutzte Flüsse zu reinigen. Die Methode ist überraschend einfach. Ein Netzbeutel, gefüllt mit Holzspänen, in denen die Sporen des Schmetterlingstrameten – auf Deutsch auch Truthahnschwanz genannt – stecken, wird in den Fluss gelegt. Die Pilzfäden, das sogenannte Myzel, wachsen durch das Holz und bilden ein dichtes, schwammartiges Geflecht. Dieses Geflecht filtert Schadstoffe aus dem Wasser.
In der Grafschaft Devon im Südwesten Englands wurde die Methode getestet – mit beeindruckenden Ergebnissen: 80% der E. coli-Bakterien, die aus Abwässern stammen, wurden zurückgehalten. Auch Nährstoffe wie Phosphor (83%) und Stickstoff (35%) – die sonst zu schädlichen Algenblüten führen – wurden gebunden. Die Erfolge waren so überzeugend, dass die britische Wasserregulierungsbehörde OFWAT dem lokalen Wasserversorger Anglian Water umgerechnet knapp 1,8 Millionen Euro zur Verfügung stellte, um die Pilzfilter in größerem Maßstab einzusetzen.
Joshua Mercer von Anglian Water beschreibt die Pilze als „zweite Verteidigungslinie“ nach der normalen Kläranlage. Gegenüber der BBC sagte er: „Wenn diese Arbeit einen positiven Einfluss auf die Wasserqualität haben kann, dann profitiert jeder davon.“ Und er fügte hinzu: „Wenn meine Tochter so alt ist wie ich, wäre es großartig, wenn die Leute einfach überall schwimmen gehen könnten, wo sie wollen.“
Die Pilzfilter wurden auch in Lincolnshire erfolgreich getestet – dort gegen landwirtschaftliche Abflüsse mit Phosphor und Stickstoff. Diese Nährstoffe stammen aus Düngemitteln und gelangen über Regenfälle in die Flüsse. Sie führen zu übermäßigem Algenwachstum, das den Sauerstoff im Wasser verbraucht und Fische sowie andere Lebewesen ersticken lässt. Die Pilze können diese Nährstoffe aufnehmen und so die Gewässer schützen.
Die Idee, Pilze zur Reinigung zu nutzen, ist nicht neu. Bereits früher wurde gezeigt, dass bestimmte Pilzarten Schwermetalle und sogar radioaktive Stoffe aus dem Boden oder Wasser aufnehmen können. Neu ist jedoch die einfache und kostengünstige Umsetzung: Ein Beutel mit Holzspänen und Pilzsporen – mehr braucht es nicht. Die Pilze wachsen von selbst und müssen nicht gefüttert oder gewartet werden. Das macht die Methode besonders attraktiv für Entwicklungsländer oder abgelegene Regionen, in denen es keine teuren Kläranlagen gibt.
Die englische Wasserbehörde hat erkannt, dass dieser natürliche Ansatz eine echte Alternative zu chemischen oder technischen Lösungen sein kann. Statt teurer Filteranlagen oder chemischer Zusätze könnten Pilze in Zukunft weltweit Flüsse sauberer machen – und das zu einem Bruchteil der Kosten. Ein kleiner Schritt für einen Pilz, ein großer für die Wasserqualität.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
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„Stell dir vor: Ein Beutel mit Pilzsporen im Fluss entfernt 80% der Bakterien. Genau das passiert jetzt in England."
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