Pottwale im Mittelmeer haben eigene Dialekte entwickelt
Eine isolierte Gruppe vor Griechenland hat eine schnellere Klick-Variante entwickelt – ein Zeichen für kulturelle Evolution.

Pottwale sind für ihre komplexen Klicklaute bekannt, mit denen sie jagen und kommunizieren. Diese Klickmuster unterscheiden sich zwischen verschiedenen Gruppen – ähnlich wie menschliche Dialekte. Bisher dachten Wissenschaftler, dass alle Pottwale im Mittelmeer zum selben „Klick-Clan“ gehören, der durch ein wiederholtes Muster von drei Klicks, einer kurzen Pause und einem vierten Klick gekennzeichnet ist.
Eine neue Studie, veröffentlicht in Proceedings of the Royal Society B, zeigt nun, dass die Realität differenzierter ist. Forscher analysierten 20 Jahre alte Audioaufnahmen von Walen im gesamten Mittelmeer. Dabei fanden sie heraus, dass Pottwale im Hellenischen Graben vor Griechenland eine schnellere Version dieses Rufs produzieren als Wale um die Balearen zwischen Gibraltar und Italien. Gelegentlich fielen die östlichen Wale jedoch in den älteren, westlichen Dialekt zurück.
Die Pottwale besiedelten das Mittelmeer vor etwa 20.000 Jahren von West nach Ost. Die Entwicklung eines eigenen Dialekts im Osten passt zu dieser Besiedlungsgeschichte. „Diese Ergebnisse zeichnen ein Bild der Geschichte der Pottwale im Mittelmeer, das mit einer fortschreitenden Besiedlung von West nach Ost übereinstimmt, die in der Entwicklung eines unverwechselbaren Dialekts bei den Tieren im Osten gipfelt“, sagte Hauptautor Taylor Hersh von der University of Bristol.
Die mediterranen Pottwale sind von Verwandten in anderen Ozeanen isoliert und gelten als gefährdet. Ihre Zahl wird auf unter 3.000 geschätzt, im Hellenischen Graben leben weniger als 300 Tiere. Sie sind durch Fischerei und Schiffsunfälle bedroht. Zudem gefährden Öl- und Gasexplorationen die Meeressäuger: Seismische Untersuchungen, bei denen Schallwellen zur Kartierung des Untergrunds eingesetzt werden, können das Gehör von Walen und Delfinen schädigen, chronischen Stress auslösen und zu Strandungen führen.
Die Entdeckung der Dialekte ist nicht nur ein faszinierendes Beispiel für kulturelle Evolution bei Tieren. Sie liefert auch wichtige Daten für den Artenschutz. Wenn man die unterschiedlichen Populationen anhand ihrer Laute identifizieren kann, lassen sich Schutzmaßnahmen gezielter planen – etwa um die besonders kleine Gruppe im Hellenischen Graben vor Lärmbelastung zu schützen.
Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.
So erzählst du es weiter
„Pottwale haben eigene Dialekte entwickelt – genau wie wir Menschen. Eine Gruppe vor Griechenland klickt schneller als die anderen."
Magst du solche Geschichten?
Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.
Weiteres aus tiere
Asiatische Wildesel kehren nach 65 Jahren in die Ostmongolei zurück
Durch das Entfernen von Zäunen entlang der Transmongolischen Eisenbahn wird die Wiederbesiedlung ermöglicht.
Thunfischbestände erholen sich weltweit
Quoten und Kontrollen lassen Atlantischen Blauflossen-Thunfisch zurückkehren
KI für die Baumkronen: TropiCam-AI erfasst bedrohte Arten
Neues Modell schließt Lücke bei der Überwachung von baumbewohnenden Tieren in tropischen Wäldern