Puma-Studie: Weniger Konflikte durch mehr Abstand
Forschung in Kalifornien zeigt: Pumas meiden belebte Wege – Töten von Tieren erhöht Risiko.

In den Santa Cruz Mountains in Kalifornien leben weniger als 100 erwachsene Pumas – und jedes Jahr kommen rund 2,5 Millionen Menschen zum Wandern, Radfahren und Joggen in das Gebiet. Die großen Raubkatzen, auch Berglöwen genannt, gelten als scheu, doch seltene Angriffe auf Menschen sorgen für Schlagzeilen. Bislang galt die Faustregel: Sobald sich ein Puma an Menschen gewöhnt, wird er gefährlich und muss getötet werden. Eine neue Studie, veröffentlicht in der Fachzeitschrift Current Biology, stellt diese Annahme nun infrage.
Forscher der University of California, Santa Cruz, werteten sechs Jahre lang Daten von 36 mit Sendern ausgestatteten Pumas aus. Gleichzeitig nutzten sie Aufzeichnungen der Fitness-App Strava, um die Bewegungen von Menschen in denselben Wäldern zu verfolgen. Das Ergebnis: Die Raubkatzen meiden stark frequentierte Wege von selbst – sie wissen offenbar genau, wann und wo viele Menschen unterwegs sind. „Sie passen ihr Verhalten an, statt nur zu fliehen, wenn jemand kommt“, erklärt Chris Wilmers, Leiter des Santa Cruz Puma Project.
Einige Pumas zeigten sich toleranter und kamen Menschen bis auf 30 Meter nahe, ohne dass es zu Konflikten kam. Die Computersimulationen der Forscher ergaben: Diese Gewöhnung führte nicht zu mehr Begegnungen oder Angriffen. Im Gegenteil: Wenn ein erfahrener, an Menschen gewöhnter Puma getötet wird, könnte sein Revier von einem jungen, unerfahrenen Tier übernommen werden – mit höherem Konfliktpotenzial. „Die Annahme, dass Gewöhnung gleich Gefahr bedeutet, ist möglicherweise falsch“, sagt Mark Elbroch von der Naturschutzorganisation Panthera, Co-Autor der Studie.
Die Erkenntnisse haben praktische Konsequenzen für das Management der bedrohten Tiere. Die kalifornische Fisch- und Jagdkommission hat die Pumas in der Region kürzlich unter den Schutz des Endangered Species Act gestellt. Statt Tiere zu töten, empfehlen die Wissenschaftler, weniger begangene Pfade zu sperren oder nächtliche Aktivitäten einzuschränken. So könnten Menschen und Pumas friedlich koexistieren – ein Modell, das auch für andere Regionen mit großen Raubtieren interessant sein könnte.
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„Pumas meiden Menschen von selbst – und Töten macht es schlimmer. Eine Studie zeigt, wie Koexistenz klappt."
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