Infrastruktur

Reis wird zu intelligentem Material für Robotik

Forscher nutzen eine ungewöhnliche Eigenschaft von Reiskörnern, um Material ohne Elektronik zu schaffen.

Teilen WhatsApp
Forscher nutzen eine ungewöhnliche Eigenschaft von Reiskörnern, um Material ohne Elektronik zu schaffen.

Reis ist eines der wichtigsten Nahrungsmittel der Welt – doch nun zeigt eine Studie, dass er auch in der Materialforschung eine überraschende Rolle spielen könnte. Ein internationales Team um die University of Birmingham hat entdeckt, dass dicht gepackte Reiskörner eine ungewöhnliche Eigenschaft besitzen: Werden sie langsam zusammengedrückt, bleiben sie relativ fest. Drückt man jedoch schnell zu, werden sie weicher. Dieses Verhalten, das die Forscher als „Geschwindigkeits-Erweichung“ bezeichnen, ist bei den meisten Materialien nicht zu beobachten.

Der Grund liegt in der Reibung zwischen den einzelnen Körnern. Bei schneller Belastung sinkt die Reibung schlagartig, sodass die inneren Kräfte-Netzwerke, die normalerweise die Last tragen, schwächer werden. Die Forscher nutzten diesen Effekt, um ein neues „Metamaterial“ zu entwickeln – ein künstlich hergestelltes Material, das Eigenschaften besitzt, die in der Natur nicht vorkommen. Dazu kombinierten sie die Reis-Granulate mit Sand, der sich unter schnellem Druck genau gegenteilig verhält: Er wird härter.

Das Ergebnis ist ein Verbundmaterial, das auf langsame Bewegungen anders reagiert als auf plötzliche Stöße – und das ganz ohne Elektronik, Sensoren oder externe Steuerung. „Statt einem Material vorzuschreiben, wie es sich verhalten soll, überlassen wir es der Physik: Schnelle Belastung löst eine Reaktion aus, langsame eine andere“, erklärt Dr. Mingchao Liu von der University of Birmingham. Die Arbeit wurde im Fachjournal Matter veröffentlicht.

Diese Entwicklung könnte vor allem in zwei Bereichen neue Türen öffnen: in der Robotik und bei Schutzausrüstung. Bisherige Roboter bestehen oft aus harten Metallen und sind für die Arbeit neben Menschen nur bedingt geeignet. Ein weicher, reisbasierter Roboterarm könnte sich bei einer schnellen Kollision automatisch nachgeben und so Verletzungen vermeiden – bei langsamen, präzisen Bewegungen aber stabil bleiben. Das wäre etwa bei chirurgischen Eingriffen oder in der Pflege hilfreich.

Auch Schutzhelme oder Polsterungen könnten von dem Material profitieren. Bei einem schnellen Aufprall würde es Energie gezielt absorbieren und sich verformen, während es bei langsamer Belastung seine Form behält. All das geschieht ohne Strom oder Sensoren – das Material selbst entscheidet, wie es reagiert. Die Forscher betonen, dass die Arbeit zeigt, wie alltägliche Materialien wie Reis zu intelligenten Systemen werden können, wenn man ihre physikalischen Eigenschaften versteht und gezielt nutzt.

Belegt durch

Primärquelle
Archiv vor September 2026, nicht nach heutigem Verfahren geprüft. Berichtet von ScienceDaily Tech.

Stand der Welt

8 von 9 Bereichen steigen seit 2005. Ökologie fällt.

Datenstand 2023 · Index 53,6 · nur zusammen mit den Bereichen lesbar

Jeden Morgen um 06:30

Eine Geschichte, ein Beleg, ein Satz zum Stand der Welt.

Kostenlos, werbefrei, jederzeit abbestellbar. Nichts Drittes.

Gestern: NASA stellt Crew für Mond-Mission 2027 vor