Zurück
wissenschaft International · US

Rettungsmission für NASA-Teleskop Swift gestartet

Erstmals soll ein unbemannter Schlepper einen alternden Satelliten in eine höhere Umlaufbahn bringen.

Das Neil Gehrels Swift Observatory, ein NASA-Satellit zur Erforschung von Gammastrahlenausbrüchen, schwebt in Gefahr. Seit seinem Start im Jahr 2004 hat Swift wertvolle Daten über kosmische Explosionen und Schwarze Löcher geliefert. Doch nun sinkt seine Umlaufbahn schneller als erwartet – von ursprünglich 600 Kilometern auf nur noch 370 Kilometer über der Erde. Der Grund: Die Sonne befindet sich nahe dem Höhepunkt ihres elfjährigen Aktivitätszyklus. Sonnenstürme heizen die Erdatmosphäre auf, sie dehnt sich aus und bremst den Satelliten stärker ab. Ohne Eingreifen würde Swift Anfang 2026 verglühen.

Die NASA hat daher eine beispiellose Rettungsmission gestartet. Für 30 Millionen US-Dollar beauftragte sie das Unternehmen Katalyst Space Technologies aus Arizona. Dessen kleines Raumfahrzeug namens LINK soll Swift erreichen, mit ausfahrbaren Armen ergreifen und um etwa 200 Kilometer nach oben befördern. Der Start war für den 27. Juni 2026 vom Kwajalein-Atoll auf den Marshallinseln geplant, wurde aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Nach dem Andocken würde LINK über ein bis zwei Monate seine Triebwerke zünden und Swift auf rund 600 Kilometer Höhe bringen. Wenn alles klappt, könnte der Satellit noch vor Jahresende wieder wissenschaftliche Messungen durchführen.

Sollte die Mission gelingen, wäre es das erste Mal, dass ein unbemanntes Raumfahrzeug einen Wissenschaftssatelliten in eine höhere Umlaufbahn befördert. Der britische Raumfahrthistoriker Jonathan McDowell bezeichnet dies als „Proof of Concept“ für das legendäre Hubble-Teleskop. Hubble umkreist die Erde derzeit in 470 Kilometern Höhe und könnte laut Schätzungen bereits 2031 auseinanderbrechen. Eine Rettung wäre jedoch deutlich aufwändiger: Hubble ist viel größer als Swift, bräuchte mehr Treibstoff und kostet jährlich 98 Millionen US-Dollar im Betrieb – Swift kommt mit sechs Millionen aus. Der NASA-Administrator Jared Isaacman hatte ein privates Rettungsmanöver für Hubble ins Spiel gebracht, aber seit seinem Amtsantritt im Dezember 2025 nicht wieder aufgegriffen.

Die Astrophysikerin Megan Reiter von der Rice University betont, dass Hubble nach wie vor einzigartige Beobachtungen ermöglicht. Ein erfolgreiches Swift-Manöver würde zeigen, was technisch möglich ist, und Argumente für eine Hubble-Rettung liefern. Das James-Webb-Weltraumteleskop ist von diesem Problem nicht betroffen, da es die Erde nicht umkreist, sondern an einem fernen Punkt im All stationiert ist.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Ein alter Satellit soll vor dem Absturz gerettet werden – mit einem Roboterarm im All. Klingt nach Science-Fiction, ist aber echt."

Der tägliche Lichtblick

Magst du solche Geschichten?

Hol dir jeden Morgen eine — kuratiert, belegt, werbefrei. Kein Doomscrolling.

Weiteres aus wissenschaft