Sechs afrikanische Länder fordern Pause beim Tiefsee-Bergbau
Sie schließen sich damit 46 Staaten an, die vor der Ausbeutung des Meeresbodens erst mehr Forschung fordern.
Auf dem Grund der Tiefsee, in bis zu 6.000 Metern Wassertiefe, liegen Millionen faustgroßer Gesteinsknollen, die Nickel, Kobalt und Mangan enthalten – Rohstoffe, die unter anderem für Batterien und Elektronik gebraucht werden. Bergbaukonzerne und einzelne Staaten wollen diese sogenannten polymetallischen Knollen künftig industriell abbauen, doch Fachleute warnen, dass die Eingriffe empfindliche und bislang kaum erforschte Tiefsee-Ökosysteme unwiederbringlich zerstören könnten.
Bei der Jahrestagung der Internationalen Meeresbodenbehörde (ISA) im Juli in Kingston, Jamaika, erklärten Mauritius, Mosambik und die Republik Kongo, dass sie sich einer wachsenden Gruppe von Staaten anschließen, die einen vorsorglichen Stopp des Tiefsee-Bergbaus fordern. Damit steigt die Zahl afrikanischer Länder mit dieser Position auf sechs – nach Malawi im Mai sowie Kenia und Madagaskar im Juni.
Die Regierung von Mauritius begründete ihre Haltung damit, dass „die nachhaltige Entwicklung von Mauritius untrennbar von einem gesunden und widerstandsfähigen Ozean abhängt", und forderte, Entscheidungen müssten auf „bester verfügbarer wissenschaftlicher Evidenz" und dem Vorsorgeprinzip beruhen, wie es das UN-Seerechtsübereinkommen vorsieht. David Willima von der Deep Sea Conservation Coalition, einem Zusammenschluss von mehr als 140 Umweltorganisationen, sagt, allen sechs Ländern gehe es im Kern um dasselbe: „die fehlende ausreichende Wissenschaft und die bestehenden Regulierungslücken".
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen darauf hin, dass in der Tiefsee vermutlich noch viele unentdeckte Arten leben, von denen manche nirgendwo sonst vorkommen – Abbaumaschinen würden Sedimentwolken aufwirbeln, die sich über weite Strecken ausbreiten und Lebensräume verändern können, deren Erholung Jahrzehnte dauern könnte.
Weltweit unterstützen inzwischen 46 Staaten eine solche Pause oder ein Moratorium – ein deutliches Signal an die ISA, die derzeit über ein globales Regelwerk für den Tiefsee-Bergbau berät. Ein rechtlich bindendes Verbot ist das noch nicht, doch mit jedem weiteren Land wächst der politische Druck, den Abbau erst zuzulassen, wenn belastbare Daten über die ökologischen Folgen vorliegen – und nicht vorher. Zugleich konkurrieren die Sorge um den Ozean und der wachsende globale Rohstoffbedarf für die Energiewende miteinander: Manche Regierungen und Unternehmen drängen auf schnellere Genehmigungen, während Umweltorganisationen für ein dauerhaftes Moratorium werben.
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„Sechs afrikanische Länder sagen: Bevor wir den Meeresboden ausbeuten, wollen wir erst wissen, was wir zerstören."
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