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innovation Niederlande · NL

Tänzerin mit ALS tanzt per Gedankensteuerung auf der Bühne

Gehirn-Computer-Schnittstelle übersetzt Bewegungsvorstellungen in eine digitale Tanzperformance

Hintergrund

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare neurodegenerative Erkrankung, die fortschreitend die Nervenzellen angreift und zu Lähmungen führt. Die ehemalige Tänzerin Breanna Olson verlor durch die Diagnose ihre Fähigkeit, sich zu bewegen und ihren Beruf auszuüben. Für viele Betroffene bedeutet dies nicht nur den Verlust körperlicher Funktionen, sondern auch den Verlust von Ausdrucksmöglichkeiten und Identität.

Das japanische Unternehmen Dentsu Lab, eine Tochter des Dentsu-Konzerns, entwickelte im Rahmen des Projekts "Waves of Will" eine Gehirn-Computer-Schnittstelle, die genau diese Barriere überwinden soll. In Zusammenarbeit mit dem Datenunternehmen NTT entstand ein System, das Gedanken in Bewegungen übersetzt.

Was ist passiert

Breanna Olson trug ein EEG-Headset, das ihre Gehirnaktivität aufzeichnete. Wenn sie sich eine bestimmte Tanzbewegung vorstellte – etwa eine Drehung oder eine Armbewegung – erkannte die Software die entsprechenden elektrischen Signale und übersetzte sie in Steuerbefehle für einen digitalen Avatar. Dieser Avatar führte die Bewegungen dann in Echtzeit auf einer Bühne im Amsterdamer OBA Theater aus.

Die Aufführung im Dezember war laut Dentsu Lab die erste ihrer Art weltweit. Olson beschrieb die Erfahrung als "wunderschön und unvergesslich". Sie sagte der BBC, dass die Konzentration extrem hoch sein müsse, um die präzisen Bewegungen zu imaginieren, aber dass das Projekt genau das erreicht habe, was es versprach: persönlichen Ausdruck zurückzugeben.

Warum das wichtig ist

Diese Technologie geht weit über eine einzelne Performance hinaus. Sie zeigt, dass Gehirn-Computer-Schnittstellen nicht nur für medizinische Grundfunktionen wie das Steuern eines Rollstuhls eingesetzt werden können, sondern auch für kreative und emotionale Ausdrucksformen. Für Menschen mit Lähmungen oder Bewegungseinschränkungen eröffnet dies neue Wege der Teilhabe an Kunst, Kultur und sozialem Leben.

Das System ist nicht invasiv – es erfordert keine Operation, sondern lediglich ein EEG-Headset. Das senkt die Hürden für den Einsatz in der Praxis. Zwar ist die Technologie noch in der Entwicklungsphase, aber sie zeigt ein klares Potenzial für den Einsatz in Therapie, Rehabilitation und Lebensqualitätsverbesserung.

Ausblick

Dentsu Lab plant, die Technologie weiterzuentwickeln und für breitere Anwendungen zugänglich zu machen. Denkbar sind Einsatzbereiche in der Physiotherapie, wo Patienten durch Gedankenkraft Bewegungen trainieren könnten, oder in der Kommunikation für Menschen mit Locked-in-Syndrom. Auch für die Unterhaltungsindustrie könnte die Schnittstelle interessant sein – etwa für inklusive Bühnenproduktionen.

Die "Waves of Will"-Performance ist ein proof of concept, der zeigt, dass Technologie und menschlicher Wille gemeinsam Barrieren überwinden können. Für Breanna Olson war es ein Abend, der ihr zeigte, dass ihre Identität als Tänzerin nicht an körperliche Fähigkeiten gebunden ist.

Diese Geschichte ist zu gut, um sie für sich zu behalten.

So erzählst du es weiter

„Stell dir vor, du tanzt nur mit deinen Gedanken – eine ALS-Patientin hat es möglich gemacht!"

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